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Digitale Transformation, Digitalisierung, Start-up, ICT

Earlybyte und die iterative Produktentwicklung

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Das Software Start-up Earlybyte aus Winterthur bringt frischen Wind in die Produktentwicklung: Hackathons, iterative Sprint Meetings und früh angesetzte User Tests resultieren in sich konstant weiterentwickelnden Produkten, die ihrer Zeit nicht hinterherhinken. In einem Gespräch geben uns Mike Schälchli, CO-Founder und CEO, und Michael Sladoje, Co-Founder, Einblicke.

Darf ich euch bitten, euch und Earlybyte den Lesenden des cmm360 kurz vorzustellen?

Mike Schälchli: Sehr gerne, ich heisse Mike Schälchli und bin einer der Co-Founder und CEO von Earlybyte. Wir sind ein Winterthurer Start-up, das Software und IoT Lösungen entwickelt. Wir haben die Firma 2018 mit vier weiteren Foundern und ehemaligen Studi-Freunden gegründet. Mittlerweile ist das Team gewachsen und wir dürfen mit 10 Mitarbeitenden den Alltag verbringen. Neben meinen Tätigkeiten als CEO arbeite ich bei Earlybyte auch in den Bereichen Sales und Projektmanagement und bin ich auch für die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen zuständig. Ich liebe es, neue Projekte in der Entstehung zu unterstützen und zu sehen, wie zuerst aus einer blossen Idee ein Produkt entsteht, das den Alltag unserer Kundschaft verbessert.

Michael Sladoje: Und ich bin Michael Sladoje und auch einer der Founder von Earlybyte. Als Frontend-Lead bin ich vor allem für das Visuelle unserer IT-Lösungen zuständig. Mein Herz schlägt für alles Unentdeckte: Unentdecktes Potenzial der Kundschaft oder dem Team aber auch unentdeckte Lösungen, die es für uns zu entwickelt gilt. Oh, und noch ein kleiner Funfact zu unserem Team: Wir nennen uns selbst die Earlybees, weil wir fleissig und gut aufeinander abgestimmt arbeiten wie die Bienen und jeder Arbeitsschritt dem grossen, gemeinsamen Ziel dient – unsere Kundschaft darin zu unterstützen, die Pioniere von heute und morgen zu sein.

Wie geht ihr neue Projekte an und wie definiert ihr die Zusammenarbeit mit einem Kunden?

Mike Schälchli: Wir erläutern unserer Kundschaft bereits in der Offerte-Phase wie unser Vorgehen ist. Die Offerte entsteht teilweise bereits an kleineren Hackathons, bei denen wir herausfinden möchten, was unsere Kundschaft braucht und welches ihre Herausforderungen sind. Wir gehen bei unseren Projekten nach dem Minimum Viable Product-Prozess (MVP) vor. Diese Methode haben ursprünglich Start-ups im Silicon Valley genutzt, um möglichst schnell einen Prototyp zu entwickeln, der sofort einsetzbar ist und getestet werden kann. Anhand des Feedbacks wird das Produkt stets weiterentwickelt. Man verhindert so, dass man sehr lange an einem Produkt arbeitet, die Kundschaft viel Geld investiert und letztendlich ein Produkt steht, das aber niemand benutzen will.

Michael Sladoje: Man kann das Vorgehen auch gut anhand dieser Grafik darstellen.

Earlybyte_Minimum Viable Product _MVP

Es geht bei der Entwicklung eines Produktes also nicht darum, einzelne Elemente aneinander zu bauen, sondern von Anfang an ein «fahrtüchtiges» Produkt zu haben. Zu Beginn ist das Produkt zwar noch nicht ausgeklügelt, allerdings ist es von Anfang an startbereit, wie hier im Beispiel das Trottinett: Es fährt bereits und man kann das Gefährt lenken. Man kann es jetzt testen und die nötigsten Dinge damit tun – fertig ist es aber noch nicht. Im nächsten Schritt kommt noch eine Klingel hinzu, eine Bremse und Schaltung. Dann wird es motorisiert und kann bereits auf grössere Strassen. Irgendwann ist dann das fertig ausgebaute Gefährt bereit – mit allem, was es für längere und sichere Fahrten braucht.

Wie startet ihr Projekte und wer ist involviert? Habt ihr da einen konkreten Fahrplan oder bestimmte Prozesse, Verfahren, die ihr anwendet?

Mike Schälchli: Ich denke, diese Frage kann ich gut anhand eines konkreten Beispiels beantworten. Wir haben mit unserer Kundin, den Basler Versicherungen, die eSi-Mobile App entwickelt, die die gesamte Schadenaufnahme digitalisiert. Gestartet haben wir das Projekt bei einem selbst organisierten Hackathon im Schwarzwald, gemeinsam mit zwei Personen aus unserem Team, zwei der Basler Versicherungen sowie einem UX Designer aus unserem Netzwerk. Wichtig war, das Projekt auf einer grünen Wiese zu starten – also ohne Erwartungen und Vorurteile. Nach diesem Offsite im Schwarzwald hiess es für uns natürlich so schnell wie möglich einen brauchbaren MVP der App zu entwickeln. Der wurde gleich von Anfang an von Mischa, Schadeninspektor bei der Baloise, bei der Arbeit eingesetzt. Wir bekamen so Feedback vom Endnutzer wie aber auch von der Kundschaft der Baloise. Für uns war wichtig, dass das Feedback so einfach wie möglich übermittelt werden kann, ohne einen grossen Aufwand seitens der Testperson.

Michael Sladoje: Wir haben dafür ein Test-Framework in die eSi-Mobile App eingebaut, welches die Erstellung eines Feedbacks durch simples Schütteln des Smartphones ermöglicht. Durch das Schütteln wird automatisch ein Screenshot erstellt. Darauf kann der User den Fehler markieren. Im Anschluss werden alle notwendigen Information zur Behebung eines Fehlers automatisch an uns weitergeleitet. Wir beheben das Problem und können so einfach und schnell Fehler aus der Welt räumen – die Arbeit der Schadeninspektorinnen und Inspektoren wird somit nicht eingeschränkt.

Ihr arbeitet für Projekte in firmenübergreifenden Teams. Wie schafft ihr es, innert kurzer Zeit einen Teamgeist zu kreieren? Habt ihr Beispiele?

Mike Schälchli: Was wir mit der Baloise zu Beginn ganz intuitiv gemacht haben, hat sich zu einem echten Erfolgsrezept entwickelt: Das Projektteam ganz zu Beginn bei einem Offsite zu treffen, einige Tage zusammen zu verbringen und gemeinsam das Projekt anzugehen. Da hat man einfach alle schon im Boot, man lernt sich kennen, vertraut einander, weiss, wer das Gegenüber ist und es entsteht ein unglaublich guter Spirit. Der Product Owner der eSi-Mobile App, Markus, hat mal gesagt, dass er unsere Zusammenarbeit nicht mehr als Kunden-Beziehung bezeichnet, sondern eher ein freundschaftliches Verhältnis entstanden ist. Das spüren auch wir und das macht die Arbeit für alle besonders schön.

Michael Sladoje: Es ist zudem sehr wichtig, von Anfang an die Personen an Board zu haben, die für das Projekt brennen. Denn sie bringen das Projekt weiter und können andere davon überzeugen. Natürlich sind auch Kritiker wichtig, sie sind vor allem dann sehr gefragt, wenn wir Feedback für den MVP einholen, um die App nach ihren Bedürfnissen weiterzuentwickeln. Gefällt die App den Kritikern, haben wir schon fast gewonnen (lacht).
Mit den Baloise Versicherungen habt ihr die eSi-Mobile App entwickelt, die 2020 den dritten Rang des Innovationspreises der Schweizer Assekuranz erhielt und auf die Shortlist des Best of Swiss Apps Awards genommen wurde. Was macht die App genau?

Michael Sladoje: Mit der eSi-Mobile App können Schadeninspektorinnen und Inspektoren zusammen mit den Versicherten den Schaden besichtigen, direkt vor Ort die wichtigsten Punkte notieren und Bilder aufnehmen. Es vereinfacht die Aufnahme und macht alle Schritte in der Schadenaufnahme transparent. Früher wurde der Schaden aufgenommen und später im Büro noch abgetippt. Bis die versicherte Person das Protokoll bekam und über die nächsten Schritte informiert war, dauerte es einen Moment. Mit der eSi-Mobile App passiert alles unverzüglich und direkt vor Ort: von der Schadenaufnahme, dem Auffordern von Handwerkerinnen und Handwerkern bis hin zur Unterschrift am Ende des Besuchs. Sogar die anfallenden Kosten können bereits eingeschätzt werden.

Habt ihr euch zu Beginn auch Milestones gesetzt oder entstehen diese auch iterativ?

Mike Schälchli: Zu Beginn des Projektes gingen wir in die Breite und haben sehr explorativ mögliche Funktionen der App angeschaut. In einem nächsten Schritt haben wir diese Features dann in Must-have und Nice-to-tave Funktionen runtergebrochen. Gerade wenn man so motiviert ist, würde man die App am liebsten mit allen möglichen Features ausstatten. Das geht aber natürlich nicht. Der erste Meilenstein war, innerhalb von drei Monaten einen ersten MVP zu entwickeln, welcher gleich von einem Schadeninspektor in der täglichen Arbeit angewendet wurde. So konnte er die App gleich in der Praxis testen. Danach waren die Meilensteine an weitere Features gekoppelt, welche wir Sprint-mässig weiterentwickelten.

Welche Erfolge und Learnings konntet ihr aus dem Projekt ziehen?

Mike Schälchli: Ganz viele (lacht). Beginnen wir bei den Erfolgen: Unser Highlight war ganz klar der 3. Rang des Innovationspreises der Schweizer Assekuranz. Corona bedingt konnten wir das nicht persönlich feiern, weshalb wir dem Projektteam ein Apéro-Päckli nach Hause geschickt haben. Erfolge sollen schliesslich auch gefeiert werden. Was uns auch sehr gefreut hat, ist, wie gut die App bei den Schadeninspektorinnen und Schadeninspektoren angekommen ist. Mischa meinte mal, dass seine Arbeit nicht nur einfacher geworden ist, sondern auch schöner, weil er nun mehr Zeit mit der Kundschaft verbringen kann und sie wiederum dank dem vereinfachten Schadenprozess ebenfalls glücklich sind. Genau deshalb stehen wir am Morgen auf; mit unseren Produkten dürfen wir den Alltag unserer Kundschaft vereinfachen – oder in diesem Beispiel auch einfach mehr Freude bringen.

Michael Sladoje: Unsere Learnings waren neben dem positiven Effekt der Kick-off-Hackathons auch die Unterteilung der Features in solche, die man wirklich braucht, und solche, die einfach noch schön wären. Gerade wenn man selbst gerne neue Features ausprobiert, muss man sich immer wieder selbst fragen, ob das zielführend ist und noch ins Budget passt. Was übrigens auch ein super Motivations-Booster ist, ist die Teilnahme an Awards – es schweisst das Projektteam zusammen, man wird sichtbar und man möchte das Produkt vor der Teilnahme nochmals auf das nächste Level bringen. Machen wir auf jeden Fall wieder.

Wie sieht es denn mit künftigen Projekten aus? Gibt es da schon etwas, was ihr uns verraten könnt? 

Michael Sladoje: Aktuell arbeiten wir an einem Folgeprojekt mit den Basler Versicherungen, bei welchem wir den Prozess eines Schadenfalls weiter automatisieren und die eSi-Mobile App voll in den Workflow integrieren können. Zudem sind wir mit unserem Kunden Cleanfix in der Phase, die neue IoT-Lösung für ihre neue Version ihres autonomen Reinigungsroboters weltweit auszurollen. Für Chiefs haben wir einen neuen Webshop entwickelt, der nun auch international eingesetzt wird. Ein grösseres Projekt, das wir aktuell angehen ist ein Food Scanner für Spitäler, der eine mögliche Mangelernährung der Patientinnen und Patienten im Voraus erkennen kann und so eine frühzeitige Behandlung ermöglicht. Wir haben also viel zu tun und suchen deshalb auch gerade neue Earlybees, die unser Team erweitern.

Mike Schälchli: Im Frühling haben wir zudem die Möglichkeit, unser Büro für einige Monate in die Berge zu verlegen – wenn Corona es zulässt. Wir haben uns beim «Löwenberg – surselva impact lab» beworben und dürfen nun von dem Innovationszentrum im Bündnerland aus an unseren Projekten arbeiten. Darauf freuen wir uns sehr, gerade auch für uns als Team ist es ein Highlight, nachdem wir uns Corona bedingt noch gar nie in der jetzigen Konstellation alle persönlich sehen konnten.

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