Während viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ihre Steuererklärung noch mit hohem Zeitaufwand erledigen, setzt Finnland auf eine konsequent nutzerorientierte Digitalisierung. Der Direktor der finnischen Steuerbehörde beschreibt, wie zentralisierte Daten, automatisierte Prozesse und der Fokus auf die Customer Journey den Aufwand deutlich reduzieren. Der finnische Ansatz gilt als Vorbild für eine moderne Verwaltung und zeigt zugleich, dass auch der Einsatz von KI eine verlässliche Datenbasis voraussetzt.
Während deutsche Bürgerinnen und Bürger sich jährlich durch Formulare kämpfen, erledigt man in Finnland die Steuererklärung in fünf Minuten auf dem Handy – und hat auch noch Spaß dabei. Dass der Gang zum digitalen Amt sogar glücklich machen kann, für deutsche Ohren klingt das wie eine Utopie.
Wie Steuerverwaltung im 21. Jahrhundert aussehen kann, zeigt das Interview mit Markku Heikura, dem Chef der finnischen Steuerbehörde: Die Behörde wurde 2022 mit dem renommierten Ornamo Design-Award ausgezeichnet: für eine konsequent nutzerorientierte Digitalisierung, die Steuerzahlen nicht nur einfacher, sondern nach Ansicht der Jury sogar «angenehm» macht.
Kunden statt Steuerzahler
Heikura hat die finnische Steuerverwaltung still und leise revolutioniert – mit einem radikalen Perspektivenwechsel. «Wir nennen sie bewusst Kundinnen und Kunden, nicht Steuerzahlende», sagt Heikura. Ein Satz, der ein ganzes Verwaltungsverständnis auf den Kopf gestellt hat. Das Ziel: Die Besteuerung durch einheitliche digitale Prozesse so unsichtbar und einfach wie möglich zu machen. Daten werden im Hintergrund gesammelt, Prozesse automatisiert, der Aufwand für den Einzelnen minimiert.
Es ging darum, die Verwaltung konsequent durch die Augen der Kundinnen und Kunden zu betrachten. Das Rezept klingt simpel, ist aber politisch alles andere als trivial: «Man muss anfangen, in einheitlichen Prozessen und Services zu denken. Also weg von der reinen Optimierung interner Prozesse, hin zur gesamten Customer Journey. Das war sehr positiv», so Heikura.
Konsequent zentralisiert
Ein zentralisiertes System ist dafür der wichtigste Ausgangspunkt. Für Deutschland – zersplittert, föderalistisch, historisch vorbelastet – eine unbequeme Wahrheit. Denn ohne solide Basisregister, ohne zentralisierte Datenbasis bleibt Digitalisierung Flickwerk.
Für deutsche Finanzbehörden liefert der Blick nach Norden damit eine klare Blaupause: zentralisierte Prozesse, eine starke Datenbasis und konsequente Digitalisierung. «Alles basiert auf Daten», bringt Heikura es auf den Punkt. «Die nächste große Chance ist KI – aber auch KI hängt von Daten ab.»
«Unfinnished Business» ist eine Initiative von Gofore, die nach Finnland jetzt auch für die agilen IT-Projekte Deutschlands und des Bundeszentralamts für Steuern tätig sind.
