KI-Agenten übernehmen zunehmend Routineaufgaben, unterstützen Entscheidungen und beschleunigen Geschäftsprozesse. Gleichzeitig verdeutlichen aktuelle Entwicklungen, dass der Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen jederzeit eingeschränkt werden kann. Damit erweitert sich Digitale Souveränität um die Frage, wer tatsächlich die Kontrolle über den Modellzugang besitzt. Für Unternehmen bedeutet das, Multi-Modell-Fähigkeit frühzeitig architektonisch einzuplanen, Verantwortlichkeiten für Agenten eindeutig festzulegen und Governance-Strukturen aufzubauen. Ebenso wichtig bleibt die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu bewerten, denn kürzere Entwicklungszyklen dürfen nicht zu einem Verlust fachlicher Urteilskraft führen. Nur wer Tempo, Kontrolle und Flexibilität verbindet, kann Agentensysteme nachhaltig und sicher skalieren.
Zu Recht gelten KI-Agenten als einer der größten Produktivitätssprünge der vergangenen Jahre: Sie übernehmen Aufgaben, bereiten Entscheidungen vor und entlasten Teams von Routinearbeiten. Mitte 2026 haben sowohl die USA als auch China gezeigt, dass der Zugang zu den leistungsfähigsten Modellen selbst eingeschränkt werden kann – temporär, selektiv, aber real. Für Unternehmen, die ihre Agenten auf einzelne Modelle oder Anbieter aufgebaut haben, ist das keine abstrakte Randnotiz.
Außer Frage steht, dass sich der Einsatz von Agenten lohnt. Entscheidend ist jedoch, ob ein Unternehmen dabei selbst bestimmt, wie es mit seinen Agenten arbeitet. Peter de Lorenzi, Executive Director Horizontals, Platforms & Services der adesso SE und Experte für Digitale Souveränität ordnet ein, worauf es beim Aufbau souveräner Agentensysteme ankommt.
#1 Digitale Souveränität bekommt eine neue Dimension
Lange wurde Digitale Souveränität vor allem über Datenstandorte und Zugriffsrechte verhandelt. Durch die jüngsten Entwicklungen bei führenden KI-Modellen in den USA und China kommt eine zweite Ebene hinzu: Der Zugang zum Modell selbst wird zur politischen Variable. Ein Rechenzentrum in Frankfurt oder Berlin wirkt dabei schnell sicherer, als es tatsächlich ist. Am Ende ist entscheidend, wer über den Zugriff auf das Modell bestimmt. Genau dort zeigt sich, wie viel Kontrolle über die eigene Wertschöpfung ein Unternehmen behält, oft ohne es im Moment der Entscheidung zu bemerken.
#2 Entscheidung, wer für den Agenten geradesteht
Ein Agent, der Systeme aufruft oder Prozesse anstößt, handelt im Namen des Unternehmens. Richtlinien allein regeln das nicht. Es braucht Rollen- und Berechtigungskonzepte, die zeigen, welcher Agent mit welcher Befugnis gehandelt hat und wer auch Monate später dafür geradesteht. Nur mit dieser Zuordnung kann ein Unternehmen im Zweifel eingreifen und korrigieren. Fehlt sie, bleibt die Verantwortung von der Logik des Agenten abhängig, ganz gleich, wie gut diese im Einzelfall funktioniert.
#3 Kürzere Zyklen erfordern häufigere Bewertung
In der Softwareentwicklung zeigt sich das Muster am deutlichsten. Wenn Agenten Entwürfe, Tests und Dokumentation vorbereiten, verkürzen sich ganze Entwicklungszyklen oft von Wochen auf wenige Tage. Die Aufgabe, jeden Vorschlag zu bewerten, verschwindet dadurch allerdings nicht, sondern taktet sich nur enger. Genau diese Bewertungsfähigkeit ist der eigentliche Engpass. Wer über längere Zeit nur noch Vorschläge freigibt, statt Lösungen selbst zu durchdringen, verliert schleichend die Fähigkeit zur Einschätzung, ob ein Ergebnis wirklich tragfähig ist oder nur überzeugend wirkt. Ausgerechnet dann verlässt er sich auf die Einschätzung des Agenten, wenn es kritisch wird.
#4 Wahlfreiheit muss von Anfang an mitgeplant werden
Multi-Modell-Fähigkeit lässt sich kaum nachrüsten, wenn ein Anbieter den Zugang plötzlich einschränkt. Sie muss daher von Beginn an in die Architektur integriert werden, etwa über Abstraktionsschichten, die Agenten unabhängig vom konkreten Modell orchestrieren. Abhängigkeit entsteht dabei selten mit einem einzelnen, klar erkennbaren Schritt. Sie wächst über Prompts, die auf ein bestimmtes Modell zugeschnitten sind, oder über Workflows, die nur auf einer einzigen Plattform laufen. Im Architekturdiagramm bleibt diese Entwicklung unsichtbar. Sobald sich die Bedingungen ändern, wird sie jedoch sehr real.
#5 Governance macht Skalierung erst möglich
Auf den ersten Blick wirken klare Berechtigungskonzepte, definierte Freigabeprozesse für kritische Aktionen und nachvollziehbare Protokollierung wie zusätzlicher Aufwand. Tatsächlich entscheiden sie darüber, ob Unternehmen Agenten in wirklich kritischen Prozessen einsetzen können. Dabei ist eine klare Einstufung wichtig: Nicht jeder Anwendungsfall braucht dieselbe Kontrolltiefe, aber jeder muss bewusst eingeordnet werden, bevor ein Agent produktiv wird. Nur so kann ein Unternehmen im Ernstfall eingreifen, korrigieren oder stoppen.
De Lorenzi sagt: «Wer aus Sorge vor Abhängigkeit beim Einsatz von Agenten zögert, verliert den Produktivitätsvorsprung und gewinnt trotzdem keine Souveränität. Worauf es ankommt, ist, Tempo und Handlungsfähigkeit von Anfang an zusammenzudenken, statt das eine für das andere zu opfern. Genau das unterscheidet Unternehmen, die diese Fragen jetzt klären, von denen, die es später ähnlich wie beim Thema IT-Infrastruktur unter Druck nachholen müssen.»
adesso
adesso ist einer der führenden IT-Dienstleister im deutschsprachigen Raum und konzentriert sich mit Beratung sowie individueller Softwareentwicklung auf die Kerngeschäftsprozesse von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Die Strategie von adesso beruht auf drei Säulen: einem umfassenden Branchen-Know-how der Mitarbeitenden, einer breiten, herstellerneutralen Technologiekompetenz und erprobten Methoden bei der Umsetzung von Softwareprojekten. Mit passgenauen IT-Lösungen stärkt adesso die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Organisationen in den Zielbranchen Versicherungen/Rückversicherungen, Banken und Finanzdienstleistung, Gesundheitswesen und Life Sciences, Energieversorgung, Öffentliche Verwaltung, Automotive und Fertigungsindustrie, Handel, Verkehrsbetriebe, Medien und Entertainment, Lotterie sowie Sport. adesso wurde 1997 in Dortmund gegründet und beschäftigt aktuell in der adesso Group über 10.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (umgerechnet auf Vollzeitstellen/FTE), was mehr als 10.900 Mitarbeitenden nach Köpfen entspricht. Die Aktie von adesso ist im Prime Standard/SDAX notiert. Zu den wichtigsten Kunden zählen im Bankensegment u.a. Commerzbank, KfW, DZ Bank, Helaba, Union Investment, BayernLB und DekaBank, im Versicherungsbereich u.a. Münchener Rück, Hannover Rück, DEVK, DAK, Zurich Versicherung, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK-IT) sowie branchenübergreifend u.a. Mercedes-Benz, Bosch, Westdeutsche Lotterie, Swisslos, DZR Deutsches Zahnärztliches Rechenzentrum, TÜV Rheinland, REWAG, Beschaffungsamt des BMI und Bayerisches Staatsministerium der Justiz.
