KI-Prognosen 2026: Experience & Innovation – Teil 1/4

Customer EngagementCXInnovationKIPersonalisierung

KI-Prognosen 2026: Experience & Innovation – Teil 1/4KI-Prognosen 2026: Experience & Innovation – Teil 1/4
KI-Prognosen 2026: Experience & Innovation – Teil 1/4

KI ist kein Nebenprojekt mehr, sondern prägt Strategien, Prozesse und Erlebnisse. Der Beitrag entwirft eine Roadmap Richtung 2026: Kundenerlebnisse werden in Echtzeit zugeschnitten, Service wandert in natürliche Dialoge, und Systeme erkennen Bedürfnisse, bevor sie ausgesprochen werden. Parallel wächst eine «Total Experience», in der interne Workflows und externe Touchpoints gemeinsam optimiert werden. Dazu kommt ein Kreativschub: Generative KI liefert Ideen, Varianten und Prototypen – und macht Innovation für viel mehr Teams zugänglich. Welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, bleibt bewusst spannend.

Künstliche Intelligenz ist längst kein peripheres Experiment mehr – sie hat sich zu einem strategischen Kernbestandteil von Unternehmen weltweit entwickelt. Führungskräfte auf Top-Ebene betrachten KI zunehmend als grundlegenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und nutzen ihr Potenzial, um die Art und Weise neu zu erfinden, wie sie Kunden ansprechen, Mitarbeitende befähigen, Produkte gestalten und Innovation vorantreiben. Eine aktuelle globale Studie zeigt, dass 94% der Unternehmensverantwortlichen KI als entscheidend für den Erfolg ansehen, während die Ausgaben der Branche für KI-Lösungen allein in den vergangenen zwei Jahren um mehrere Hundert Prozent gestiegen sind. Von kundenorientierten Chatbots bis hin zu KI-gestützten Design-Tools: Unternehmen integrieren KI tief in ihre Kernstrategien, um reichhaltigere Erlebnisse zu schaffen und Innovationszyklen deutlich zu verkürzen.

Die Customer Experience (CX) wird durch die Fähigkeit von KI neu geprägt, Interaktionen in großem Maßstab zu personalisieren und Bedürfnisse zu antizipieren, noch bevor sie entstehen. Auch die Employee Experience (EX) befindet sich im Wandel: KI erweitert die Art und Weise, wie Teams arbeiten, lernen und zusammenarbeiten. In den Bereichen Design und Innovation beschleunigen generative KI und fortschrittliche Analytik die Kreativität – sie verwandeln Daten in konkrete Design-Erkenntnisse und verkürzen die Zeit von der Idee bis zur Markteinführung erheblich. Frühe Anwender verzeichnen bereits messbare Vorteile: höhere Kundenzufriedenheit, engagiertere Mitarbeitende und bahnbrechende Produktideen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Tatsächlich setzen heute bereits 88% der Unternehmen KI in mindestens einer Geschäftsfunktion ein, und besonders erfolgreiche Organisationen nutzen sie nicht nur zur Kostensenkung, sondern auch zur Förderung von Wachstum, Innovation und Differenzierung.

Die folgenden mutigen Prognosen für das Jahr 2026 und darüber hinaus zeigen auf, wie sich die transformative Kraft der KI voraussichtlich in den Bereichen CX, EX, Design und Innovation entfalten wird. Jede Prognose basiert auf aufkommenden Trends und frühen Signalen führender Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Zusammengenommen zeichnen sie eine strategische Roadmap dessen, was Top-Entscheider erwarten sollten – und worauf sie sich aktiv vorbereiten müssen –, wenn KI sich von heutigen Pilotprojekten zur allgegenwärtigen Triebkraft künftiger Wettbewerbsvorteile entwickelt. Fortsetzung mit Teil 2 folgt am 23. Dezember 2025.

Prognose 1: Hyperpersonalisierung in großem Maßstab – KI gestaltet Kundenerlebnisse in Echtzeit

Bis 2026 wird KI ein bislang unerreichtes Maß an Hyperpersonalisierung in der Customer Experience ermöglichen. Anstelle von Einheitslösungen werden Unternehmen KI einsetzen, um jede Interaktion dynamisch und individuell anzupassen – von Produktempfehlungen bis hin zur Preisgestaltung. Fortschritte in der Echtzeit-Datenanalyse und im Machine Learning sorgen dafür, dass jeder Klick, jeder Kauf und jede Anfrage in Algorithmen einfließt, die das Erlebnis unmittelbar justieren. Kundinnen und Kunden werden zunehmend erwarten, dass Marken sie «kennen» und ihre Bedürfnisse antizipieren. Man denke an eine Retail-Website, die sich für jeden Shopper in Echtzeit neu anordnet, oder an eine Banking-App, die proaktiv maßgeschneiderte Finanzempfehlungen auf Basis individueller Ausgabenmuster anbietet. Diese Form der KI-gestützten Personalisierung führt zu höherem Engagement und stärkerer Loyalität, da sich Kundinnen und Kunden auf einer persönlichen Ebene verstanden fühlen. Branchenstudien zeigen, dass tief personalisierte Erlebnisse die Kundenzufriedenheit deutlich steigern und die Conversion Rates signifikant erhöhen können. Unternehmen, die diese Fähigkeit beherrschen, differenzieren ihre CX nachhaltig – und verwandeln Daten an jedem Touchpoint in Begeisterung.

Warum sich diese Prognose voraussichtlich bewahrheiten wird

Mehrere Trends und Erfolgsgeschichten deuten darauf hin, dass Hyperpersonalisierung zum neuen Standard wird. Globale Technologieführer in Nordamerika wie Amazon und Netflix nutzen bereits KI-Algorithmen, um Millionen von Nutzerinnen und Nutzern gleichzeitig hochgradig zielgerichtete Inhalte und Produktempfehlungen bereitzustellen – und setzen damit den Maßstab für personalisierte Customer Experience. In Europa setzt Starbucks seine KI-Engine «Deep Brew» ein, um Marketingangebote in der mobilen App individuell zuzuschneiden und so Ausgaben und Kundenbindung zu steigern. Auch traditionelle Branchen vollziehen diesen Wandel: Emirates NBD, eine führende Bank im Nahen Osten, hat ein KI-gestütztes Empfehlungssystem im Online-Banking eingeführt, das jedem Nutzer passgenaue Finanzprodukte vorschlägt. In Asien wiederum kuratieren die E-Commerce-Plattformen von Alibaba mithilfe von KI individuelle Storefronts für einzelne Käufer, was zu höheren Umsätzen pro Kunde führt.

Diese Vorreiter berichten von messbaren Erfolgen: Laut McKinsey haben KI-basierte «Next Best Experience»-Initiativen die Kundenzufriedenheit um bis zu 20% gesteigert und gleichzeitig die Servicekosten gesenkt. Der Erfolg der Early Adopters erhöht den Druck auf andere Unternehmen, vergleichbare Fähigkeiten aufzubauen. Gleichzeitig werden die Technologien immer zugänglicher – Cloud-basierte KI-Services und Customer-Data-Plattformen ermöglichen inzwischen auch mittelständischen Unternehmen den Einsatz von Personalisierungsalgorithmen. Da laut Gartner bis 2026 nahezu 75% aller Kundeninteraktionen KI-gestützt sein werden, ist die Botschaft für Unternehmen eindeutig: personalisieren oder verlieren. Der Wettbewerbsvorteil, Erlebnisse in Echtzeit individuell zuzuschneiden – sichtbar am Wachstum der erfolgreichsten Marken – wird Hyperpersonalisierung branchenübergreifend zur festen Erwartung machen.

Prognose 2: KI-gestützte Konversationen dominieren den Kundenservice

Bis 2026 wird Conversational AI zur ersten Anlaufstelle im Kundenservice über nahezu alle Branchen hinweg. Intelligente Chatbots und Sprachassistenten entwickeln sich von einfachen Frage-Antwort-Systemen zu hochentwickelten Agenten, die komplexe Serviceaufgaben eigenständig bewältigen können. Kundinnen und Kunden werden sich ganz selbstverständlich über KI-gestützte Chatoberflächen auf Websites, in Messaging-Apps oder über Smart Speaker informieren oder Probleme lösen – oft ohne überhaupt zu bemerken, dass kein Mensch beteiligt ist. Diese KI-Agenten sind rund um die Uhr verfügbar, lassen sich bei Bedarf sofort skalieren und liefern schnelle Antworten in natürlicher Sprache. Mit immer leistungsfähigeren Sprachmodellen und wachsendem Trainingsdatenbestand übernehmen sie ein breites Spektrum an Aufgaben: von einfachen Abrechnungsfragen bis hin zur technischen Fehlerdiagnose. An menschliche Servicekräfte werden nur noch besonders sensible, komplexe oder emotional anspruchsvolle Fälle übergeben. Dieser Wandel reduziert nicht nur Wartezeiten und Supportkosten, sondern entspricht auch der generationsübergreifend wachsenden Erwartung an sofortige digitale Selbstbedienung. Das Ergebnis ist ein «Always-on»-Kundenservice, in dem KI den Großteil der Interaktionen übernimmt, während sich menschliche Expertinnen und Experten auf ihre größten Stärken konzentrieren: Empathie, Vertrauensaufbau und komplexe Problemlösungen.

Warum sich diese Prognose voraussichtlich bewahrheiten wird

Die Entwicklung zeichnet sich bereits heute klar ab – sowohl in den Nutzungszahlen als auch in zahlreichen Erfolgsgeschichten. Über 80% der Unternehmen weltweit planen, bis 2025 KI-Chatbots für Kundeninteraktionen einzusetzen, was einen massiven Wandel hin zu automatisierten Service-Modellen signalisiert. Führende Unternehmen geben das Tempo vor: Der KI-Assistent «Erica» der Bank of America hat bereits mehr als drei Milliarden Interaktionen verarbeitet und unterstützt Kundinnen und Kunden bei Themen von Kontoständen bis hin zur Hypothekenberatung. In Europa löst der Chatbot «TOBi» des Telekommunikationskonzerns Vodafone inzwischen Millionen von Supportanfragen in mehreren Ländern, reduziert das Anrufvolumen in Callcentern und beschleunigt die Reaktionszeiten deutlich. Auch asiatische Unternehmen treiben die Entwicklung konsequent voran: Die indische HDFC Bank verzeichnete, dass ihr EVA-Chatbot innerhalb von nur sechs Monaten über 2,7 Millionen Anfragen bearbeitete und damit die Serviceverfügbarkeit für rund 50 Millionen Kundinnen und Kunden erheblich verbesserte. Selbst staatliche Stellen ziehen nach – etwa in Dubai, wo Behörden und Versorgungsunternehmen mehrsprachige KI-Assistenten einsetzen, um Bürgeranfragen sofort zu beantworten und neue Maßstäbe für öffentliche Dienstleistungen zu setzen.

Dieser Trend wird durch kontinuierliche technologische Fortschritte verstärkt: Natural Language Processing wird zunehmend kontextsensitiv und mehrsprachig, während die Spracherkennung in vielen Sprachen bereits ein nahezu menschliches Genauigkeitsniveau erreicht hat. Entscheidend ist zudem die hohe Akzeptanz auf Kundenseite – Milliarden täglicher Interaktionen mit Siri, Alexa oder WhatsApp-Bots haben das «Sprechen mit KI» als bequemen ersten Schritt zur Problemlösung etabliert. Entsprechend prognostizieren Analysten deutliche Effekte: Forrester erwartet, dass der erfolgreiche Einsatz von KI-Agenten bei vielen Marken die Self-Service-Lösungsquoten im zweistelligen Prozentbereich steigern wird. Gleichzeitig wächst jedoch die Kluft zwischen Vorreitern und Nachzüglern. Unternehmen, die in robuste, nutzerzentriert gestaltete Conversational-AI-Lösungen investieren – wie etwa KLM mit seinem beliebten Reiseassistenten oder Emirates Airline mit KI-gestütztem Chat-Support – erzielen höhere Kundenzufriedenheit. Wer hingegen unausgereifte Bots einführt, riskiert Frustration und Vertrauensverlust. Ab 2026 und darüber hinaus wird der Druck enorm sein, Conversational AI richtig umzusetzen – doch der Gewinn an Skalierbarkeit, Konsistenz und Kundenkomfort wird sie zum dominierenden Kanal für routinemäßigen Kundenservice machen.

Prognose 3: Proaktive Personalisierung – KI antizipiert Kundenbedürfnisse

Die Zukunft der Customer Experience wird maßgeblich durch die Fähigkeit von KI geprägt sein, Kundenbedürfnisse vorherzusagen, noch bevor sie überhaupt artikuliert werden. Bis 2026 werden führende Unternehmen mithilfe von Predictive Analytics und KI-gestützten Erkenntnissen den Wandel von reaktivem Service hin zu proaktiver Kundenansprache vollziehen. Anstatt darauf zu warten, dass Kundinnen und Kunden ein Problem erleben oder einen Bedarf äußern, analysieren KI-Systeme kontinuierlich Verhaltensmuster, Nutzungsdaten und externe Signale, um potenzielle Probleme und Chancen frühzeitig zu erkennen. Zeichnet sich etwa ein Produktdefekt ab, kann die KI das Unternehmen veranlassen, den Kunden proaktiv mit einer Lösung oder einem Austausch zu kontaktieren. Deuten Ausgabemuster auf ein bevorstehendes Lebensereignis hin – etwa den Kauf eines Eigenheims oder die Geburt eines Kindes –, kann KI zum exakt richtigen Zeitpunkt personalisierte Angebote ausspielen.

Dieser vorausschauende Ansatz erzeugt einen echten «Wow»-Effekt in der CX: Kundinnen und Kunden werden mit zeitlich perfekt platzierten Lösungen und Angeboten überrascht, die beinahe hellseherisch wirken. Gleichzeitig werden Frustrationen vermieden – etwa wenn KI einen Abrechnungsfehler erkennt und korrigiert, bevor der Kunde ihn überhaupt bemerkt, oder wenn ein KI-Assistent proaktiv durch eine neue Softwarefunktion führt, die der Nutzer bislang noch nicht ausprobiert hat. Solche Erlebnisse schaffen Vertrauen und vertiefen die Kundenbindung, weil das Gefühl entsteht, dass die Marke stets einen Schritt voraus ist und sich aktiv um ihre Kunden kümmert.

Warum sich diese Prognose voraussichtlich bewahrheiten wird

Mehrere Faktoren treiben den Aufstieg proaktiver, KI-gestützter Personalisierung voran. Zum einen sind die notwendigen Datenfundamente inzwischen geschaffen: Unternehmen haben über Jahre hinweg in Customer-Data-Plattformen, IoT-Sensoren und Cloud-Infrastrukturen investiert und verfügen heute über umfangreiche Echtzeit-Datenströme. Fortschrittliche KI-Algorithmen sind nun in der Lage, diese Daten nach feinen Mustern zu durchsuchen und unmittelbar Maßnahmen auszulösen. So nutzen beispielsweise große Telekommunikationsanbieter in Nordamerika KI, um Netzwerkausfälle vorherzusagen und Kunden im Voraus zu informieren – in manchen Fällen werden Probleme sogar behoben, bevor es überhaupt zu einer Beeinträchtigung kommt. In Asien setzen führende Banken wie die DBS Bank in Singapur KI-Modelle ein, um vorherzusagen, welche Kunden abwanderungsgefährdet sind oder ein neues Produkt benötigen, sodass Relationship Manager gezielt mit maßgeschneiderten Angeboten eingreifen können. Diese Maßnahmen haben nachweislich sowohl die Kundenbindung als auch Cross-Selling-Raten verbessert.

Auch im industriellen Umfeld ist dieser Trend sichtbar: Hersteller wie Siemens integrieren KI direkt in ihre Anlagen, um Wartungsbedarfe vorherzusagen und Ausfallzeiten für ihre Kunden durch proaktiven Service zu minimieren. Beratungsunternehmen berichten von erheblichen Vorteilen dieses Ansatzes. McKinsey stellt fest, dass Unternehmen, die KI für «Next Best Action»-Strategien einsetzen, einen höheren Customer Lifetime Value erzielen und die Abwanderung um bis zu 20% reduzieren können – wie es ein globaler Zahlungsdienstleister durch die Vorhersage und Vermeidung von Händlerabwanderung demonstriert hat. Forrester wiederum betont, dass der Übergang von reaktiven Kennzahlen hin zu proaktiver Problemlösung – ermöglicht durch KI – ein zentrales Merkmal der besten CX-Teams der Zukunft ist.

Die Zahl realer Erfolgsgeschichten wächst stetig: von Fluggesellschaften, die verspätete Reisende automatisch umbuchen, noch bevor sie das Gate erreichen, bis hin zu E-Commerce-Plattformen, die stark nachgefragte Produkte vorausschauend in regionale Lager verlagern. Mit der zunehmenden Verbreitung solcher Beispiele werden Kundinnen und Kunden erwarten, dass Marken ihre Bedürfnisse vorausahnen. Der Wettbewerbsdruck wird proaktive Personalisierung damit zur Standardpraxis machen – denn Unternehmen, die nicht antizipieren, werden schnell hinter jene zurückfallen, die ihre Kunden konsequent mit Weitblick begeistern.

Prognose 4: Total Experience – CX und EX wachsen durch KI zusammen

In den kommenden Jahren wird die Grenze zwischen Customer Experience (CX) und Employee Experience (EX) zunehmend verschwimmen und sich zu einer ganzheitlichen «Total Experience» entwickeln, die durch KI bessere Ergebnisse erzielt. Unternehmen werden erkennen – auch wenn dieses Thema seit rund sechs Jahren diskutiert wird, wird es nun voraussichtlich zum breiten Konsens –, dass begeisterte Kunden und engagierte Mitarbeitende zwei Seiten derselben Medaille sind und dass KI dabei helfen kann, beide Perspektiven wirkungsvoll zu integrieren. Bis 2026 werden viele Organisationen KI-Systeme einsetzen, um sicherzustellen, dass Mitarbeitende in Echtzeit über die richtigen Werkzeuge, Informationen und Unterstützungsmechanismen verfügen, um Kunden optimal zu bedienen. Kundennahe Prozesse und interne Workflows werden dabei gemeinsam orchestriert, statt getrennt voneinander optimiert zu werden.

Konkret bedeutet das: Tritt ein Kundenanliegen auf, begleitet KI nicht nur den Kunden – etwa über Chatbots oder Self-Service-Angebote –, sondern versorgt gleichzeitig die Mitarbeitenden an der Front mit relevanten Kontextinformationen, Handlungsempfehlungen und nächsten Schritten, um das Problem schnell und kompetent zu lösen. Design- und Experience-Teams betrachten künftig die Customer Journey und die Employee Journey parallel und nutzen KI-Analysen, um jeden «Moment of Truth» für alle Beteiligten zu optimieren. Das Ziel ist ein nahtloser Kreislauf: KI-unterstützte Mitarbeitende liefern besseren Service, was zu zufriedeneren Kunden führt – und das Feedback aus diesen Kundeninteraktionen fließt wiederum über KI-gestützte Erkenntnisse in die Verbesserung des Arbeitsplatzes zurück. Unternehmen, die diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, kommen dem «Heiligen Gral» des Experience Managements näher: hohe Kundenzufriedenheit bei gleichzeitig hoher Mitarbeitermotivation, die sich gegenseitig verstärken.

Warum sich diese Prognose voraussichtlich bewahrheiten wird

Mehrere Entwicklungen treiben CX und EX auf einen gemeinsamen Pfad. Große Beratungs- und Analystenhäuser haben die Total Experience als einen der zentralen strategischen Trends identifiziert. Gartner prognostiziert, dass bis 2026 rund 60% der Großunternehmen TX-Initiativen eingeführt haben werden, um sowohl Kunden- als auch Mitarbeiterloyalität zu stärken. Frühzeitige Anwender weltweit bestätigen dieses Konzept bereits in der Praxis. In Nordamerika stattet Walmart seine Filialmitarbeitenden mit dem KI-gestützten Sprachassistenten «Ask Sam» aus, der Fragen zu Lagerbeständen und Produkten sofort beantwortet. So können Mitarbeitende Kundinnen und Kunden schneller und kompetenter auf der Verkaufsfläche unterstützen – ein klarer Gewinn für EX und CX zugleich. Die europäische Fluggesellschaft easyJet hat für ihre Callcenter-Agenten ein KI-basiertes Support-Tool eingeführt, das während Servicegesprächen in Echtzeit Vorschläge und Kundenkontext liefert, den Stress der Mitarbeitenden reduziert und gleichzeitig die Zufriedenheit der Anrufenden erhöht. In Asien hat die japanische Mizuho Bank ihren Kundenservice-Chatbot mit einer internen Wissensdatenbank für Mitarbeitende verknüpft. Stellt ein Kunde eine komplexe Frage, beantwortet die KI diese nicht nur, sondern speist die Anfrage und die Lösung zugleich als Lernressource in das interne System ein.

Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie KI interne und externe Erlebnisse miteinander verbindet. Wenn ein KI-gestütztes Einsatzplanungssystem automatisch die Route eines Servicetechnikers anpasst, um einen besonders wichtigen Kundenfall zu priorisieren, profitiert der Mitarbeiter von einem reibungsloseren Arbeitstag – und der Kunde von schnellerem Service. Übernimmt ein Sales-Chatbot Routineanfragen, gewinnt das Vertriebsteam Zeit für hochwertige Gespräche, was sowohl die Arbeitszufriedenheit steigert als auch den Kunden ein persönlicheres Erlebnis bietet. Zusätzlich entstehen operative Effizienzgewinne: Gemeinsame KI-Plattformen für Mitarbeitende und Kunden liefern einheitliche Analysen, die aufzeigen, wie Schulungen, Wissensmanagement oder Workflow-Engpässe die Kundenergebnisse beeinflussen. Infolgedessen brechen Führungskräfte zunehmend die Silos zwischen CX- und EX-Teams auf und investieren in KI-Lösungen, die beide Zielgruppen gleichzeitig bedienen. Die Dynamik hin zur Total Experience ist stark, weil sie technologische Investitionen mit einer grundlegenden unternehmerischen Wahrheit verbindet: Zufriedene Mitarbeitende schaffen zufriedene Kunden – und KI ist das verbindende Element, das dies in großem Maßstab ermöglicht.

Prognose 5: Generative KI wird zum kreativen Partner im Design

Bis 2026 wird generative KI zu einem unverzichtbaren Co-Creator in Designstudios, Marketingabteilungen und F&E-Laboren. Anstatt menschliche Kreativität zu ersetzen, wird KI sie ergänzen und beschleunigen. Designerinnen und Designer werden zunehmend KI-Tools einsetzen, um Ideen, Entwürfe, Mock-ups und sogar fertige Inhalte mit einer Geschwindigkeit und Vielfalt zu erzeugen, die bislang unvorstellbar war. Im Grafikdesign und in der Werbung können KI-basierte Bildgeneratoren unzählige Varianten eines Konzepts produzieren – und damit menschlichen Kreativen eine breite Palette an Optionen bieten, die sie weiterentwickeln und verfeinern können. Produktdesigner wiederum nutzen KI, um Prototypen zu simulieren und zu optimieren – von Automobilkomponenten bis hin zu Unterhaltungselektronik – und dabei Tausende von Designvarianten zu durchlaufen, um spezifische Ziele wie Gewichtsreduktion oder Kosteneffizienz zu erreichen.

Diese KI-gestützte Kreativität führt zu kürzeren Designzyklen und häufig zu besseren Ergebnissen: innovativere Formen, hochgradig personalisierte Designs für Nischenzielgruppen und kreative Lösungen, auf die ein rein menschliches Team möglicherweise nie gekommen wäre. Ein Logo, eine Modekollektion oder ein architektonischer Entwurf – all dies kann seinen Ausgangspunkt in KI-generierten Inspirationen haben, die anschließend von Menschen kuratiert, bewertet und veredelt werden. Das Ergebnis ist eine neue Ära der Gestaltung und Content-Erstellung, in der Menschen die Vision und die Rahmenbedingungen vorgeben, während KI die schnelle Ideenvielfalt und Umsetzungskraft liefert, um diese Vision zum Leben zu erwecken.

Warum sich diese Prognose voraussichtlich bewahrheiten wird

Die Dynamik rund um generative KI im Design ist bereits heute enorm. Eine globale Adobe-Studie aus dem Jahr 2024 ergab, dass 83% der Kreativschaffenden inzwischen generative KI-Tools nutzen; die Mehrheit gibt an, damit schneller qualitativ hochwertigere Ergebnisse zu erzielen. Praxisbeispiele nehmen rasant zu. In Nordamerika setzen Entertainment- und Medienunternehmen wie Netflix und Disney KI ein, um Konzeptgrafiken und Storyboards zu generieren und so die Vorproduktionsphase für Serien und Filme deutlich zu verkürzen. Marketingteams von Marken wie Coca-Cola nutzen generative KI, um neuartige Werbemotive und interaktive Inhalte zu entwickeln und Kampagnen mit frischen kreativen Impulsen zu versehen, die die Aufmerksamkeit der Kundinnen und Kunden auf sich ziehen.

In Europa haben Automobil- und Luftfahrtunternehmen wie BMW und Airbus generative Designsoftware eingeführt, um leichtere und effizientere Bauteile zu entwickeln – von KI-designten Fahrzeughalterungen bis hin zu Flugzeugkabinenkomponenten, die Gewichtsreduktionen von 30 bis 50% erzielen, ohne an Stabilität einzubüßen. Solche KI-basierten Designs wären mit rein manuellen Methoden kaum realisierbar. In Asien analysieren Modehändler wie Japans Fast Retailing (Uniqlo) mithilfe von KI aktuelle Trends und lassen sich bei der Entwicklung neuer Kollektionen unterstützen, die auf lokale Geschmäcker zugeschnitten sind – und verkürzen damit die Zeit von der Trendidentifikation bis zur Platzierung im Geschäft erheblich. Selbst Architekturbüros im Nahen Osten experimentieren mit KI-generierten Gebäudeentwürfen, um futuristische Stadtlandschaften zu visualisieren, wie etwa bei Projekten rund um Saudi-Arabiens NEOM.

Die strategische Logik dahinter ist eindeutig: Generative KI steigert die Produktivität menschlicher Designer und erweitert ihr kreatives Instrumentarium erheblich. Große Beratungsunternehmen empfehlen ihren Kunden gezielt, in «Human + AI»-Design-Workflows zu investieren, und verweisen auf deutliche Gewinne bei Geschwindigkeit (Design-Iterationen in Stunden statt Wochen) und Innovationskraft (KI schlägt unkonventionelle Lösungen vor, die Durchbruchs­ideen auslösen können). Zwar etablieren IP- und Markenverantwortliche klare Leitplanken, um KI-Ergebnisse zu steuern und die Einhaltung von Markenidentität und ethischen Standards sicherzustellen, doch insgesamt wird die Technologie als mächtiger Verbündeter gesehen. Bis 2026 wird sich KI als kreativer Partner normalisieren – sie taucht in Projekt-Credits auf und wird von Designerinnen und Designern angenommen, die erkennen, dass die Zusammenarbeit mit KI zu mutigeren und besseren Ergebnissen führt, als es Mensch oder Maschine allein je könnten.

Prognose 6: Innovation überall – KI demokratisiert Kreativität und F&E

KI wird die Eintrittsbarrieren für Innovation drastisch senken und es Mitarbeitenden auf allen Ebenen ermöglichen – nicht nur F&E-Spezialisten oder Designerinnen und Designern –, Ideen, Prototypen und Lösungen beizusteuern. Bis 2026 ist mit einem starken Anstieg sogenannter «Citizen Innovators» zu rechnen: Mitarbeitende aus dem Frontline-Bereich, Marketing, Operations oder Vertrieb, die mithilfe einfach zu bedienender KI-Tools Probleme lösen und neue Angebote entwickeln. Generative KI und No-Code-/Low-Code-Plattformen erlauben es Nicht-Ingenieuren, funktionsfähige Apps zu erstellen, oder Marketingmitarbeitenden, professionelle Grafiken und Videos zu gestalten. Benötigt man einen schnellen Prototyp für ein neues Produkt, reicht künftig eine Beschreibung für ein KI-Design-Tool, das realistische Konzeptbilder oder sogar 3D-druckbare Modelle liefert. Wer wissen möchte, ob Kundinnen und Kunden eine neue Funktion schätzen würden, lässt sich von KI in Sekunden simuliertes Feedback erzeugen oder Marktdaten analysieren. Diese Demokratisierung bedeutet: Innovation ist nicht länger auf spezialisierte Silos beschränkt – sie wird zu einer unternehmensweiten Fähigkeit, bei der KI als stets verfügbarer Brainstorming-Partner und kompetenter Assistent fungiert. Der Nettoeffekt ist eine innovationsstärkere Kultur, in der gute Ideen von überall herkommen können, weil die Werkzeuge zu ihrer Entwicklung allen zur Verfügung stehen.

Warum sich diese Prognose voraussichtlich bewahrheiten wird

Der Trend zur demokratisierten Innovation ist bereits sichtbar und beschleunigt sich weiter. Große Technologieanbieter integrieren KI zunehmend in benutzerfreundliche Software: von Microsofts Power Platform, die es Mitarbeitenden erlaubt, KI-gestützte Apps per Drag-and-drop zu bauen, bis hin zu Googles AI-Cloud-Tools, mit denen auch Nicht-Datenwissenschaftler fortgeschrittenes Machine Learning nutzen können. Entsprechend prognostiziert Gartner, dass bis 2026 über 80% der Unternehmen generative KI-APIs oder -Modelle eingesetzt haben werden – ein Indikator für die breite Verfügbarkeit dieser Fähigkeiten. Praxisbeispiele untermauern diese Entwicklung. In Nordamerika befähigte eine Einzelhandelskette ihre Filialleiter mit einem No-Code-KI-Tool zur lokalen Bestandsoptimierung; einige entwickelten ohne Data-Science-Hintergrund eigene Modelle, die den Abverkauf durch präzisere Nachfrageprognosen pro Filiale verbesserten. In Europa baute ein kleines französisches Fintech innerhalb weniger Wochen einen Kundenservice-Chatbot, indem Nicht-IT-Mitarbeitende Prompts und Daten in einen generativen KI-Service einspeisten – mit geringerer Supportlast und höherer Kundenzufriedenheit als Ergebnis. In Asien profitieren Start-ups von Open-Source-KI-Modellen: In Indien erstellen Gründer mithilfe von KI-Bildgeneratoren professionelle Marketingmaterialien und gleichen damit den Wettbewerbsvorteil großer Unternehmen aus.

Hinzu kommt: Cloud-KI-Marktplätze bieten heute Plug-and-play-Lösungen für typische Innovationsbedarfe wie Prognosen, Bilderkennung oder Übersetzung. Ein Team mit Kreditkarte und Kreativität kann in Tagen umsetzen, wofür früher monatelange IT-Projekte nötig waren. Beratungen wie BCG und Accenture berichten, dass Unternehmen, die ihre Belegschaft gezielt im Umgang mit diesen KI-Tools schulen, neue Produkte und Funktionen schneller und kostengünstiger auf den Markt bringen. Gleichzeitig zwingt der anhaltende Fachkräftemangel in KI und Software zu einem demokratischen Ansatz: Organisationen können nicht unbegrenzt Spezialisten einstellen und statten daher Fachexperten mit KI-Copiloten aus. Der Geist ist aus der Flasche: Sobald Mitarbeitende erste Erfolge mit KI-gestützten Möglichkeiten erzielen, steigt die Nachfrage nach breiterem Zugang rapide. Bis 2026 wird Innovation deutlich dezentraler sein – und erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die Tausende Mitarbeitende zu «Mit-Innovatoren» machen, statt sich bei neuen Ideen auf ein kleines Expertenteam zu verlassen.

Teil 2 der Serie lesen Sie hier.

Ricardo Saltz Gulko - Bild: Ricardo Saltz Gulko

Ricardo Saltz Gulko

Ricardo Saltz Gulko ist Geschäftsführer von Eglobalis, Mitbegründer und Visionär der European Customer Experience Organization. Er ist ein globaler Stratege, Vordenker und Praktiker im Bereich Kundenerfahrung, der für Samsung und seine Kunden wahrnehmbare Design-Analysen mit Schwerpunkt auf Kundenakzeptanz, -erfahrung und -wachstum erstellt.

Mehr zu Customer Engagement

Diskussion

Das könnte Sie auch interessieren