Wenn digitale Services die Geduld der Kunden strapazieren

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Wenn digitale Services die Geduld der Kunden strapazieren

Menschen verlieren im digitalen Alltag zunehmend die Geduld mit komplizierten oder intransparenten Serviceprozessen. Laut aktuellen Untersuchungen führen Informationsüberlastung, permanente Erreichbarkeit und unzählige Benachrichtigungen dazu, dass Kunden besonders sensibel auf Verzögerungen und unnötige Hürden reagieren. Der Beitrag erläutert, warum digitale Geduld stark vom jeweiligen Kontext abhängt und welche Rolle Transparenz, verständliche Kommunikation und nachvollziehbare Abläufe dabei spielen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an KI gestützte Services. Automatisierung kann Prozesse beschleunigen, verliert jedoch schnell Akzeptanz, wenn Systeme unverständlich reagieren oder keine passende Lösung liefern. Deshalb bleibt menschlicher Support insbesondere bei komplexen Anliegen ein wichtiger Bestandteil moderner Customer Experience.

Geduld gilt als Tugend, doch im Kundenservice hängt sie stark vom jeweiligen Kontext ab. Menschen warten länger, wenn viel auf dem Spiel steht oder Verzögerungen mehr Sicherheit, Genauigkeit und Sorgfalt versprechen. Haben sie Kontakt zu einem Menschen, zeigen sie meist mehr Nachsicht als bei einem digitalen System, wie Twilio erläutert.

Gleichzeitig sinkt die verfügbare Aufmerksamkeit. Laut Twilios Bericht Age of Distraction hat der durchschnittliche Brite inzwischen mehr als 1.000 ungelesene E-Mails im Posteingang. Hinzu kommen rund 25 private Benachrichtigungen pro Tag. Es mangelt also nicht an Kommunikation, vielmehr sind Menschen digital übersättigt. Alles, was irrelevant wirkt, wird schnell zurückgestellt oder verschwindet ganz aus dem Blick.

Besonders stark betrifft das die Altersgruppe der 36- bis 55-Jährigen, die die meisten ungelesenen E-Mails aufweist. Sie steht am stärksten unter dem Druck, beruflich online erreichbar zu bleiben.

Zwei Fünftel der 36- bis 50-Jährigen geben an, sich trotz zunehmender digitaler Interaktionen stärker denn je isoliert zu fühlen.

Zwischen Karriere, Pflegeverantwortung, Hypotheken und Leistungsvorgaben ist die mentale Belastung dieser Gruppe erheblich. Entstehen in diesem Umfeld unnötige digitale Störquellen oder zusätzliche Hürden, ist die Toleranz gering.

Digitale Plattformen und sofort verfügbare Services haben die Erwartungen an Geschwindigkeit und Rückmeldung verändert. Vermittelt ein Service weder Fortschritt noch Dringlichkeit, schwindet das Gefühl von Verlässlichkeit. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden einen Vorgang abbrechen. Die Bereitschaft, Online-Schritte trotz Wartezeiten, Verifizierungen oder Kanalwechseln fortzusetzen, lässt sich als «digitale Geduld» der Kunden beschreiben. Sie ist begrenzt und hängt davon ab, ob ein Service verständlich, verlässlich und relevant wirkt. Deshalb sind klare, proaktive Erklärungen entscheidend. Sie müssen mit einem Customer-Experience-Design verbunden sein, das über alle Kanäle und Interaktionen hinweg Kontinuität gewährleistet.

Transparenz entscheidet über Geduld

Digitale Übersättigung macht den ersten Eindruck besonders wichtig. Entsteht zu Beginn einer Interaktion der Eindruck von Verzögerung oder Stillstand, stellen Menschen den Nutzen eines Produkts oder Services schneller infrage. Diese frühen Momente entscheiden also darüber, ob eine Customer Journey fortgesetzt wird.

Marken können solche «Geduldsdefizite» abbauen, indem sie Hürden identifizieren und beseitigen, die Frust auslösen. Müssen Kunden dennoch warten, sollte dieser Moment nachvollziehbar gestaltet sein. Unvermeidbare Wartezeiten können Vertrauen stärken, wenn deutlich wird, warum sie entstehen und was als Nächstes geschieht.

Kunden möchten die Gewissheit haben, dass jeder Klick, jede Bestätigung und jeder Verifizierungsschritt einem Zweck dient. Unsicherheit ist der wahre Feind von Geduld, deshalb können mehr Transparenz und Kontrolle Vertrauen schaffen. Eine separate Twilio-Studie ergab, dass 25 Prozent der Verbraucher dort «Transparenz darüber, was geschieht und warum» zu den wichtigsten Aspekten einer digitalen Customer Experience zählen. 45 Prozent legen Wert auf klare Anweisungen und leicht nachvollziehbare Schritte.

Schlechtes Design kann zu digitaler Ungeduld führen und die Überlastung durch Verwaltungsaufgaben verschärfen, die Kunden online bewältigen müssen. Deshalb sollten unnötige Dopplungen oder überflüssige Handlungen konsequent entfallen. Digitale und automatisierte Kanäle müssen schnell, zuverlässig und transparent sein, besonders mit Blick auf Wartezeiten.

«In der Customer Experience gewinnt nicht die Marke, die am lautesten kommuniziert, sondern diejenige, die Relevanz, Transparenz und Kontrolle bietet», sagt Sam Richardson, Director of Executive Engagement, EMEA & APJ bei Twilio.

Ungeduld in Chancen verwandeln

Wenn Kunden erkennen, dass eine Marke ihre Daten schützt, können Sicherheitsstufen Vertrauen stärken. Zwei-Faktor-Authentifizierung muss dann nicht als Unannehmlichkeit empfunden werden, sondern kann Sorgfalt signalisieren. Entscheidend ist, dass solche Schritte sparsam eingesetzt, richtig vermittelt und nachvollziehbar erklärt werden.

Die digitale Geduld wird zusätzlich dadurch herausgefordert, dass immer mehr Menschen im Kundenservice mit Maschinen interagieren. Wirksam konzipierte KI-Agenten haben die Erwartungen erhöht, weil sie schnelle Antworten ermöglichen und Services effizienter machen können. Gerät KI jedoch ins Stocken, versteht sie eine Absicht falsch oder führt nicht zuverlässig zur passenden Lösung, schlägt der Effekt ins Gegenteil um. In solchen Momenten sprechen viele Menschen lieber direkt mit einem Menschen.

Entscheidend sind Zweck und Kontext der jeweiligen Interaktion. Unternehmen sollten Automatisierung deshalb an Komplexität und Tragweite einer Aufgabe ausrichten. Dafür müssen sie prüfen, welche Aufgaben sich für KI-Agenten eignen. Ebenso wichtig ist Transparenz darüber, wann KI eingesetzt wird und welche Rolle sie übernimmt. Diese Erklärung sollte klar und verständlich sein.

Menschlicher Support bleibt Teil der digitalen Erfahrung

Bei Anliegen, die mehr Sicherheit, Empathie oder Verbindlichkeit verlangen, kann menschlicher Support die bessere Lösung sein. In solchen Situationen bleiben Kunden tendenziell geduldiger. Dieselbe Twilio-Studie ergab, dass 84 Prozent am Telefon mit einem echten Menschen geduldig bleiben. Ein möglicher Grund ist die Erwartung, auf menschlicher Ebene verstanden zu werden und Sicherheit zu erhalten. Ist ein Service jedoch zu langsam, bewertet mehr als die Hälfte der Verbraucher eine Marke schlechter, hinterlässt negative Bewertungen oder warnt andere davor.

Twilio schließt daraus: Marken sollten deshalb sowohl menschlichen Support als auch digitale Self-Service-Tools anbieten. Je nach Situation muss der passende Weg verfügbar sein. Beim Wechsel zwischen beidem darf der Kontext nicht verloren gehen, damit sich Kunden nicht wiederholen müssen.

Geduld im Kundenservice entsteht dort, wo Kommunikation relevant bleibt, Abläufe nachvollziehbar sind und die Unterstützung zum Anliegen passt. Gerade in einer Umgebung voller Benachrichtigungen dürfen Marken vorhandene Aufmerksamkeit nicht durch unnötige Hürden verspielen. Entscheidend ist, dass Kunden verstehen, was geschieht, warum ein Schritt notwendig ist und wie ihr Anliegen weitergeführt wird.

Twilio

Twilio (NYSE: TWLO) ermöglicht es Unternehmen, Kommunikation und Daten zu nutzen, um auf flexible und programmierbare Weise jedem Schritt der Customer Journey Intelligenz und Sicherheit hinzuzufügen – vom Vertrieb über Marketing und Wachstum bis hin zu Kundenservice und vielen weiteren Anwendungsfällen für Kundeninteraktion. In 180 Ländern nutzen Millionen Entwickler und Hunderttausende Unternehmen Twilio, um für ihre Kunden aussergewöhnliche Erlebnisse zu schaffen.

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