KI-Readiness: Der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg

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KI-Readiness: Der Schlüssel zum unternehmerischen ErfolgKI-Readiness: Der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg
KI-Readiness: Der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg

KI verändert die Arbeitswelt grundlegend – doch nicht jede Organisation ist darauf vorbereitet. James McQuivey, VP bei Forrester, erklärt im Interview das Konzept des AIQ (Artificial Intelligence Quotient): ein Modell zur Messung und Förderung der individuellen und kollektiven KI-Kompetenz. Dabei geht es um mehr als nur Technik – es braucht Neugier, Ethikbewusstsein und eine klare Strategie. McQuivey zeigt, warum Unternehmen oft an der Einführung scheitern, welche Fehler sie vermeiden sollten und wie gezieltes Training und offene Lernkultur den Unterschied machen. Wer den AIQ seiner Teams kennt und entwickelt, gewinnt einen entscheidenden Zukunftsvorteil.

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Meike Tarabori spricht mit James McQuivey, VP und Research Director bei Forrester, über die vielleicht wichtigste Kompetenz der Zukunft: die Fähigkeit, künstliche Intelligenz bewusst, reflektiert und produktiv einzusetzen. Im Zentrum des Gesprächs steht dabei das von Forrester entwickelte Konzept des AIQ (Artificial Intelligence Quotient): ein praktisches Modell, mit dem Unternehmen messen und fördern können, wie bereit ihre Mitarbeitenden für den KI-Einsatz wirklich sind. James erklärt, warum viele Unternehmen aktuell an der Umsetzung scheitern, wieso Technologie allein nicht genügt und welche Rolle gezieltes Training, echte Beteiligung und neue Führungsmodelle dabei spielen.

Herr McQuivey, Sie erforschen die Zukunft der Arbeit. Wie verändert sich diese Zukunft aktuell, insbesondere durch den Einfluss von Künstlicher Intelligenz?

James McQuivey: Die Zukunft der Arbeit ist heute ein zentrales Thema, weil sie sich spürbar von der Vergangenheit unterscheidet. Mit dem Einzug von KI-Tools in alle Bereiche der Organisation stehen wir vor der Frage: Werden Mitarbeitende einfach doppelt so effektiv oder wird von ihnen verlangt, doppelt so viel zu leisten? Die Unsicherheiten sind groß, weil die Technologie sich rasant entwickelt und viele Aspekte noch unklar sind. Was aber sicher ist, daß KI in nahezu jedem Job eine Rolle spielen wird. Entscheidend bleibt jedoch, wie bereit die Menschen sind, diese Technologien zu nutzen, denn ohne menschliche Akzeptanz bleibt jede Technologie wirkungslos.

Welche Hürden begegnen Ihnen, wenn es um die menschliche Bereitschaft für technologische Veränderungen geht?

James McQuivey: Es gibt eine breite Palette an Reaktionen: von Angst und Bedrohungsgefühl bis hin zu übersteigerter Motivation. Unsere Studien zeigen, dass 42 Prozent der Befragten sich Sorgen um die langfristigen gesellschaftlichen Folgen von KI machen. Das ist sowohl eine rationale als auch eine emotionale Reaktion. Unternehmen müssen diese Bedenken ernst nehmen, transparent kommunizieren und einen klaren Plan aufzeigen, wie sie mit den Auswirkungen auf Gesellschaft und Arbeitsplätze umgehen. Es reicht nicht, nur Effizienz zu versprechen. Mitarbeitende müssen sehen, welche Rolle sie in der Zukunft spielen und wie KI ihnen helfen kann, sich auf die interessanten und kreativen Aspekte ihrer Arbeit zu konzentrieren.

Sie haben das Konzept des «Artificial Intelligence Quotient» (AIQ) entwickelt. Was genau steckt dahinter?

James McQuivey: Der Artificial Intelligence Quotient (AIQ) misst die Bereitschaft und Fähigkeit von Mitarbeitenden, KI-Tools effektiv zu nutzen. Dabei geht es nicht um klassische Intelligenz, sondern um die konkrete Readiness für den produktiven Umgang mit KI im Arbeitsalltag. Der AIQ umfasst vier zentrale Dimensionen:

  • Verständnis: Wissen über Funktionsweise und Grenzen von KI-Tools – etwa, dass es sich um sprachbasierte Systeme handelt, die keine eigene Persönlichkeit besitzen.
  • Hard Skills: Praktische Fähigkeiten wie Prompt Engineering, kritische Bewertung von KI-Ergebnissen und die Fähigkeit, relevante Aufgaben mit KI zu lösen.
  • Soft Skills & Motivation: Neugier, Lernbereitschaft und die Motivation, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen.
  • Bewusstsein für Datenschutz, Ethik und Risiken: Sensibilität für den verantwortungsvollen Umgang mit KI, Einhaltung von Unternehmensrichtlinien und rechtlichen Vorgaben.

Die Praxis zeigt: Mit gezieltem Training und strukturierten Lernformaten können Teams ihren AIQ schnell steigern. Allerdings öffnet sich die Schere zwischen den «Vorreitern» und den «Nachzüglern» mehr und mehr, wenn Unternehmen nicht gezielt unterstützen.

Ein niedriger AIQ birgt zudem erhebliche Risiken: Mitarbeitende sind unsicher im Umgang mit KI, nutzen Tools ineffektiv oder gar nicht und können so die Potenziale der Technologie nicht ausschöpfen. Das kann zu Frustration, Fehlern und letztlich zu gescheiterten KI-Initiativen führen. Unternehmen sollten daher gezielt den AIQ ihrer Belegschaft messen, Lücken identifizieren und gezielte Trainingsmaßnahmen anbieten.

Wie können Unternehmen die Entwicklung von KI-Kompetenzen konkret angehen?

James McQuivey: Technologie-Investitionen und die Entwicklung der Mitarbeitenden müssen Hand in Hand gehen. Die häufigste Fehlerquelle ist, daß Unternehmen Lizenzen für neue Tools einkaufen, ohne die Mitarbeitenden frühzeitig einzubinden oder zu schulen. Das führt zu Ablehnung, Missverständnissen und mangelnder Nutzung. Mitarbeitende sollten vielmehr bereits im Auswahlprozess neuer Tools eingebunden werden, wie etwa durch Teilnahme an Demos, Feedbackrunden und Pilotprojekten. So wird sichergestellt, dass die Lösungen tatsächlich zu den Anforderungen und Arbeitsweisen passen. Zudem müssen die Vorteile der neuen Technologie klar kommuniziert werden, ebenso wie der konkrete Nutzen für die tägliche Arbeit. Mitarbeitende sollten sehen, wie KI ihnen hilft, Routineaufgaben zu automatisieren und sich auf kreativere, wertschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren.

Zudem sollten Führungskräfte gemeinsam mit ihren Teams spezifische Anwendungsfälle identifizieren und darauf aufbauend maßgeschneiderte Trainings entwickeln. Denn ohne gezieltes Training bleibt das Potenzial ungenutzt. Ein Trainingsbeispiel ist der «Prompt-a-thon»: Teams lösen gemeinsam Aufgaben mit KI, teilen Erfahrungen und lernen voneinander. So profitieren auch weniger erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Offene Lernkultur, in der auch Führungskräfte als Lernende auftreten, senkt Hemmschwellen und fördert die Akzeptanz.

Sie sprechen neben dem AIQ noch von weiteren Quotienten wie dem «Technology Change Quotient» (TCQ). Was hat es damit auf sich?

James McQuivey: Der TCQ erweitert den Blick über KI hinaus auf die generelle Bereitschaft für technologische Veränderungen. Er erfasst, wie offen Teams und Organisationen für neue Technologien sind, wie gut sie Veränderungen managen und wie sie individuelle und organisationale Kompetenzen weiterentwickeln. Gerade weil der technologische Wandel immer schneller und umfassender wird, ist diese ganzheitliche Sicht entscheidend für nachhaltigen Erfolg.

Was ist Ihr wichtigster Rat für Unternehmen, die sich auf die Zukunft der Arbeit vorbereiten wollen?

James McQuivey: Technologie und Mensch müssen gemeinsam gedacht werden. Die Zukunft der Arbeit ist «Human plus AI» und nicht umgekehrt. Unternehmen, die den AIQ ihrer Belegschaft systematisch entwickeln und Mitarbeitende von Anfang an in Technologie-Investitionen einbinden, schaffen die Basis für erfolgreiche, nachhaltige Transformation und echte Customer Experience.

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Meike Tarabori

Meike Tarabori

Im Januar 2019 übernahm Meike Tarabori die Position als Chefredakteurin des cmm360, das renommierte Schweizer Magazin für Customer Relations Stars und Service Champions. Als erfahrene Expertin für Marketing und Kommunikation mit Abschlüssen in Business, Marketing und deutscher Literatur hat sie wertvolle Erfahrungen unter anderem bei Unternehmen wie KUKA Robotics und zuletzt beim Cybathlon ETH Zürich gesammelt. Im Rahmen eines umfangreichen Rebranding-Projekts verlieh sie dem cmm360 seine aktuelle, moderne Ausrichtung. Seitdem hat sie nicht nur die Onlinepräsenz des Magazins erfolgreich etabliert, sondern kontinuierlich neue Formate wie die Podcasts «Nice To Meet You», «Meike's Raumzeit» und «ICT Talk» entwickelt. Darüber hinaus fungiert sie als Organisatorin des Schweizer Customer Relations Awards, eine Plattform, die innovative Projekte zur Gestaltung nachhaltiger Kundenbeziehungen und einzigartiger Kundeninteraktionen würdigt und auszeichnet.

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