95% der Einzelhändler nutzen KI – nur 5% erzielen Gewinne

Data ManagementDigitalisierungeCommerceKIMarketing

95% der Einzelhändler nutzen KI – nur 5% erzielen Gewinne95% der Einzelhändler nutzen KI – nur 5% erzielen Gewinne
95% der Einzelhändler nutzen KI – nur 5% erzielen Gewinne

Eine neue Untersuchung zeigt, dass KI im Einzelhandel zwar nahezu flächendeckend getestet wird, aber nur selten messbare wirtschaftliche Erfolge liefert. 95 Prozent der Unternehmen setzen KI im Marketing oder E-Commerce ein, doch lediglich 5 Prozent erreichen einen skalierbaren Return on Investment. Die grösste Hürde liegt nicht im Zugang zur Technologie, sondern in unzureichender Dateninfrastruktur und fehlender organisatorischer Reife. Besonders deutlich wird dies an Qualifikationslücken, internen Widerständen und mangelndem Vertrauen in KI-gestützte Entscheidungen. Gleichzeitig wird erwartet, dass KI in den nächsten zwei Jahren zum Standard wird. Unternehmen stehen daher unter Druck, ihre Datenbasis und Prozesse schnell zu verbessern.

Voyado und das unabhängige Forschungsunternehmen Retail Economics haben einen gemeinsamen Bericht über den Stand der KI im Einzelhandel veröffentlicht. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Fast alle Einzelhändler experimentieren mit KI, doch nur wenige haben die notwendigen Grundlagen geschaffen, um daraus echte wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Die Lücke betrifft nicht den Zugang zur Technologie – sie betrifft die Dateninfrastruktur und die Reife der Prozesse in den Unternehmen.

Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 300 Führungskräften aus den Bereichen Einzelhandelsmarketing und E-Commerce in den Benelux-Ländern, der DACH-Region, Skandinavien und Großbritannien:

Zentrale Erkenntnisse

  • 95 Prozent der Einzelhändler haben KI im Marketing oder E-Commerce getestet, nur 5 Prozent berichten aber von einem klaren, skalierbaren Return on Investment.
  • 39 Prozent der Marketingbudgets der Einzelhändler in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) – rund 7,3 Milliarden Euro jährlich – werden bis 2030 in Bereichen fließen, die direkt von KI betroffen sind.
  • Fortgeschrittene Einzelhändler nutzen fast doppelt so viele Datenquellen wie ihre Konkurrenten in der mittleren Entwicklungsphase.
  • 58 Prozent nennen eine Qualifikationslücke als Haupthindernis – vier der fünf größten Hindernisse sind organisatorischer, nicht technischer Natur.
  • 71 Prozent erwarten, dass KI innerhalb von zwei Jahren ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Marketingaktivitäten sein wird.
  • 45 Prozent erwarten, dass sie innerhalb desselben Zeitraums messbare Erträge generieren wird.

7,3 Milliarden Euro der Marketingausgaben in der DACH-Region sind bis 2030 von KI betroffen

Die wirtschaftliche Auswirkung ist erheblich. Laut den Modellrechnungen des Berichts werden bis 2030 39 Prozent der Marketing- und E-Commerce-Budgets der Einzelhändler der DACH-Region in Bereichen liegen, die direkt von KI betroffen sind. Das entspricht etwa 7,3 Milliarden Euro jährlich. Das Ausmaß variiert je nach Funktion: Datenintensive Bereiche wie Analytik, CRM und Kundenbindung zählen zu den am schnellsten KI-fähigen Bereichen, während Marken- und Kreativfunktionen zwar einen höheren Anteil an menschlicher Arbeit erfordern, wirtschaftlich dennoch betroffen sind.

Die Datenbasis entscheidet über den Erfolg

KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeiten muss. Deshalb investieren fortschrittliche Einzelhändler konsequent in den Aufbau solider Datenbasen – nicht als technisches Projekt, sondern als geschäftliche Priorität. Ohne diese Grundlage bleibt die KI-Optimierung begrenzt und isoliert, unabhängig davon, wie viele Tools ein Unternehmen einsetzt.

Felix Kruth, Chief Product Officer bei Voyado, erklärte: «Das Spannendste ist, dass wir noch ganz am Anfang stehen und die KI, die wir heute nutzen, wahrscheinlich die am wenigsten beeindruckende Version ist, die wir je sehen werden. Diese Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Generative KI hat bereits erhebliche Effizienzsteigerungen gebracht, aber erst agentische KI, die auf den richtigen Datenfundamenten aufbaut, wird echten kommerziellen Wert beweisen.»

«Im Wettlauf um den Nachweis von KI-Fortschritten ist es leicht, sich auf das Sichtbare zu konzentrieren: neue Schnittstellen, Chatbots und Funktionen. Ohne die richtige Datengrundlage und den richtigen Kontext bleibt die Wirkung jedoch einfach aus. Der wahre Wert im Einzelhandel entsteht durch KI, die im Hintergrund arbeitet – indem sie die richtigen Kunden priorisiert, Entscheidungen optimiert und sicherstellt, dass im richtigen Moment das Richtige geschieht.»

Unternehmenskultur ist das größte Hindernis

Der Bericht zeigt zudem, dass nicht der Zugang zu KI-Technologie das Problem ist, sondern die Unternehmenskultur. Vier der fünf größten Hindernisse sind organisatorischer und nicht technischer Natur: Qualifikationsdefizite (58 Prozent), interner Widerstand (57 Prozent), rechtliche Bedenken und Datenschutzbedenken (54 Prozent), mangelndes Vertrauen in KI-gestützte Entscheidungen (53 Prozent) sowie Herausforderungen bei der Integration in bestehende Systeme (49 Prozent). Ohne internes Fachwissen und klare Zuständigkeiten bleibt KI eher ein Experiment als ein geschäftlicher Vorteil.

Zeitfenster zum Handeln schließt sich

71 Prozent der Einzelhändler erwarten, dass KI innerhalb von zwei Jahren ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Marketingaktivitäten sein wird. 45 Prozent erwarten, dass sie innerhalb desselben Zeitraums messbare Erträge generieren wird. Wer jetzt nicht die richtigen Grundlagen schafft, riskiert ins Hintertreffen zu geraten, da sich KI von einem Wettbewerbsvorteil zu einer Grundvoraussetzung entwickelt.

Richard Lim, CEO bei Retail Economics, kommentierte: «Die nächsten zwei Jahre stellen einen Wendepunkt dar, da KI sich von einem Experiment zu einer Wettbewerbsnotwendigkeit wandelt. Einzelhändler befinden sich auf einer Reise. Während die meisten damit begonnen haben, KI zu testen und einzusetzen, haben nur wenige ein Stadium erreicht, in dem sie konsistente wirtschaftliche Erträge liefert.»

«Da KI die Aufgaben im Einzelhandel verändert, gestaltet sie die Art und Weise neu, wie Marketing- und E-Commerce-Ausgaben getätigt werden. Erfolgreich werden jene Einzelhändler sein, die jetzt die richtigen Datengrundlagen, Kompetenzen und Betriebsmodelle aufbauen, da KI zu einer zentralen Voraussetzung für einen effektiven Wettbewerb im Einzelhandel avanciert.»

Mehr zu Data Management

Diskussion

Das könnte Sie auch interessieren