Eine repräsentative Befragung in der Deutsch- und Westschweiz zeigt deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz, Blockchain und Quantencomputing. Erhoben wurden Bekanntheit, Verständnis, Einstellungen sowie politische Erwartungen. KI ist fast allen bekannt und wird vergleichsweise gut verstanden. Blockchain und Quantencomputing sind weniger geläufig und werden seltener richtig eingeordnet. Ein höherer Wissensstand geht mit mehr Zustimmung und geringerer Bedrohungswahrnehmung einher. Unabhängig von Alter oder Bildung erwartet die Bevölkerung von der Politik, Innovationen zu fördern, Risiken zu begrenzen und Schutzmassnahmen umzusetzen. Möglichst wenig Regulierung findet hingegen kaum Unterstützung.
Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain und Quantencomputing gewinnen in der Schweiz für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zunehmend an Bedeutung. Doch die öffentliche Debatte zu diesen Technologien ist oft von Extrempositionen geprägt: «Futuristen beschreiben etwa KI in ihren Bestsellern wahlweise als Garant künftigen Wohlstands oder als existenzielles Risiko für die Menschheit», sagt Studienautor Philipp Bachmann von der Hochschule Luzern. Umso wichtiger ist es, zu wissen, was die Schweizer Bevölkerung wirklich über diese drei Grundlagentechnologien denkt. Eine Studie der Hochschule Luzern untersuchte erstmals Bekanntheit, Verständnis, Einstellungen sowie politische Erwartungen im Vergleich. «Die Schweizer Politik setzt auf die Förderung von KI, Blockchain und Quantencomputing. Vor diesem Hintergrund ist es zentral zu wissen, inwieweit die Bevölkerung diese Grundlagentechnologien kennt und welche Erwartungen sie an die Politik richtet», sagt Studienautor Philipp Bachmann.
Künstliche Intelligenz am bekanntesten
Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1’244 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz. Ergänzend zu den drei Technologien wurden auch die Einstellungen zu Bitcoin als konkrete Anwendung der Blockchain-Technologie erhoben. Es zeigen sich klare Unterschiede in der Bekanntheit der untersuchten Technologien. Am bekanntesten ist Künstliche Intelligenz: 93 Prozent der Befragten haben bereits von ihr gehört. Ein ähnlich hoher Wert zeigt sich mit 91 Prozent bei Bitcoin. Blockchain, die Grundtechnologie hinter der weltweit stärksten Kryptowährung, ist hingegen weniger bekannt: Lediglich rund 60 Prozent der Befragten kennen den Begriff. Noch weniger geläufig ist Quantencomputing: Nur rund die Hälfte der Teilnehmenden (47 Prozent) sind mit dem Begriff vertraut.

gefolgt von Bitcoin, Blockchain und Quantencomputing.
Geringes Wissen bei Blockchain
Nicht nur bei der Bekanntheit, sondern auch beim Verständnis gibt es grosse Unterschiede: Am besten vertraut sind die Befragten ebenfalls mit KI: Mehr als die Hälfte gibt an, diese Technologie gut oder sehr gut zu verstehen (57 Prozent); lediglich 11 Prozent kennen den Begriff kaum oder gar nicht. Das Wissen über Blockchain und Quantencomputing ist deutlich geringer: Nur 16 Prozent der Befragten schätzen ihre Kenntnisse über Blockchain als gut oder sehr gut ein; beim Quantencomputing sind es lediglich 9 Prozent.
Grosse Skepsis gegenüber Bitcoin
Neben Wissen und Verständnis hat das Forschungsteam auch die Begeisterung für die einzelnen Technologien untersucht, beziehungsweise wie bedrohlich sie wahrgenommen werden. Quantencomputing verbindet hohe Begeisterung mit geringer Bedrohungswahrnehmung, Bitcoin dagegen geringe Begeisterung mit ausgeprägter Skepsis. «Bitcoin steht im Zusammenhang mit internationaler Kriminalität und Geldwäsche immer wieder in den Schlagzeilen, wie auch die offenen Antworten der Studie zeigen. Entsprechend fällt die Bewertung von Bitcoin bei den Befragten negativ aus», sagt Philipp Bachmann.
Künstliche Intelligenz und Blockchain liegen dazwischen: Sie wecken Interesse, rufen aber auch Sorgen hervor, besonders bei Personen mit geringem Wissen zum Thema. «Der Wissensstand prägt dieses Bild deutlich: Mehr Wissen über die jeweiligen Technologien geht mit mehr Zustimmung und geringerer Bedrohungswahrnehmung einher, ohne diese ganz verschwinden zu lassen», sagt Philipp Bachmann. Deshalb sei es entscheidend, dass gerade Bildungsinstitutionen aufzeigen, wie etwa Blockchain funktioniert, wo diese Technologie bereits heute eingesetzt wird und welchen Einfluss sie auf die Gesellschaft haben kann.

ihr Wissen über Blockchain und lediglich 9 Prozent über Quantencomputing als fundiert ein.
Politik soll Risiken minimieren
Die Ergebnisse der Studie zeigen auch klare Erwartungen an die Schweizer Politik – über alle Technologien und Alters-, Bildungs- und Geschlechtergrenzen hinweg. «Die Bevölkerung wünscht eine aktive Rolle des Staates: Dieser soll Innovationen fördern, Risiken begrenzen und die Bevölkerung schützen», sagt Philipp Bachmann. Bei Künstlicher Intelligenz und Blockchain seien Schutz- und Vorsorgemassnahmen besonders gefordert. Beim Quantencomputing stehe die Förderung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit stärker im Vordergrund. Möglichst wenig politische Regulierung der Zukunftstechnologien findet dagegen grundsätzlich wenig Zustimmung.
HSLU
Die Hochschule Luzern ist die Fachhochschule der sechs Zentralschweizer Kantone und vereinigt die Departemente Technik & Architektur, Wirtschaft, Informatik, Soziale Arbeit, Design Film Kunst, Musik sowie den Schwerpunkt Gesundheit. Mit rund 8'200 Studierenden und rund 12'000 Weiterbildungsteilnehmenden (davon 5000 MAS, DAS, CAS), 326 neuen Forschungsprojekten und 2'109 Mitarbeitenden ist sie die grösste Bildungsinstitution im Herzen der Schweiz.
