KI-Agenten automatisieren Medikationsabgleich

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KI Agenten automatisieren Medikationsabgleich

Ein europäischer Anbieter von KI-Plattformen zeigt, wie agentenbasierte Systeme den Medikationsabgleich im Klinikalltag automatisieren können. Da bis zu 40 Prozent der Medikationsfehler an Versorgungsübergängen entstehen, setzen die Agenten auf strukturierte Datenintegration, validierte Entscheidungslogik und Audit-Trails. Ziel ist es, Fehler zu reduzieren, Patientensicherheit zu erhöhen und das Klinikpersonal bei komplexen Abgleichprozessen spürbar zu entlasten.

Der Medikationsabgleich zählt zu den fehleranfälligsten Prozessen in der klinischen Versorgung. Bis zu 40 Prozent aller Medikationsfehler entstehen bei Versorgungsübergängen, etwa 20 Prozent davon führen zu Patientenschäden. Wie lässt sich dieses Problem konkret mit KI-Agenten lösen?

Florian Schwiecker, CCO bei corti, dem europäischen Experten für KI-Plattformen im Gesundheitswesen, erklärt wie schon heute Agentensysteme Fehler bei Versorgungsübergängen reduzieren und das Klinikpersonal entlasten:

Der Medikationsabgleich bezeichnet den klinischen Prozess, bei dem alle von einem Patienten eingenommenen Medikamente mit den aktuellen Verordnungen verglichen werden. Er erfolgt bei Aufnahme, bei Verlegungen und bei Entlassung. Dabei müssen Auslassungen, Doppelverordnungen, Dosierungsfehler und potenzielle Arzneimittelinteraktionen erkannt werden. Die manuelle Durchführung ist zeitaufwendig und fehleranfällig. Sie begünstigt unerwünschte Arzneimittelereignisse, Wiederaufnahmen und Burnout beim Klinikpersonal.

Ein typisches Szenario verdeutlicht die Komplexität: Eine Patientin mit Diabetes, Hypertonie und chronischer Nierenerkrankung wird aufgenommen. Es liegen widersprüchliche Medikationslisten zweier Fachärzte vor, und Apothekenunterlagen stimmen nicht mit der elektronischen Patientenakte überein. Hinzu kommt ein frei verkäufliches NSAR, das nicht erwähnt wurde und Wechselwirkungen verursacht. Ein Apotheker muss diese Informationen unter Zeitdruck aus verschiedenen Systemen und Telefonaten zusammenführen. Ein übersehener Schritt kann zu einer gefährlichen Medikamentenkombination führen. Genau für solche Probleme mit mehreren Informationsquellen und komplexer Entscheidungslogik sind Agenten ausgelegt.

KI-Agenten für den Medikationsabgleich auf Corti

Cortis Agentic Framework ist eine speziell für das Gesundheitswesen entwickelte Agentenplattform. Sie stellt eine produktionsreife Infrastruktur zum Aufbau und Betrieb von KI-Agenten für komplexe klinische Workflows wie den Medikationsabgleich bereit. Im Unterschied zu allgemeinen LLM-Werkzeugen sind in Corti-Agenten Orchestrierung, Guardrails, Auditierbarkeit und Compliance von Beginn an integriert.

Der Aufbau eines Medikationsabgleich-Agenten auf Corti erfolgt in fünf Schritten:

  1. Vorkonfigurierte Agenten als Ausgangspunkt
    Corti bietet in seiner Agent Library einen vorkonfigurierten Medikationsabgleich-Agenten, der Medikamente anhand klinischer Unterlagen prüft. Zum Lieferumfang gehören spezialisierte Experts. Diese modularen KI-Komponenten übernehmen klar definierte Aufgaben wie die Recherche in Arzneimitteldatenbanken, medizinische Berechnungen oder den Abruf klinischen Wissens. Der Agent kann unverändert eingesetzt oder an bestehende Workflows angepasst werden.
  2. Schlussfolgerung mit Domänenexpertise kombinieren
    Das Corti-Framework basiert auf einer Multi-Agenten-Architektur, in der ein zentraler Orchestrator spezialisierte Experts koordiniert. Für den Medikationsabgleich lassen sich unter anderem folgende Experts einbinden:• DrugBank Expert für aktuelle und umfassende Arzneimittelinformationen
    • Medical Calculator Expert für verlässliche Dosisberechnungen
    • Web Search Expert zum Abruf aktueller klinischer Leitlinien
    • Benutzerdefinierte Experts über das Model Context Protocol (MCP) zur Anbindung von EHR, Apothekensystemen oder proprietären Datenquellen

Jeder Expert ist ein vorkonfigurierter Agent mit klar abgegrenzter Domänenintelligenz. Der Orchestrator stellt sicher, dass der Agent Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen abruft statt zu halluzinieren. Jede Aktion wird validiert, und für jede Entscheidung werden vollständige Audit-Trails erzeugt.

  1. Workflow und klinischen Kontext definieren
    Der Medikationsabgleich umfasst mehrere aufeinander abgestimmte Schritte. Daten werden aus verschiedenen Quellen zusammengeführt, darunter EHR-Medikationslisten, Apothekenunterlagen und Patienteninterviews. Arzneimittelbegriffe werden vereinheitlicht, Medikationslisten systematisch verglichen und Abweichungen identifiziert. Auf dieser Basis entsteht eine abgeglichene Medikationsliste. Mit Corti wird dieser Ablauf im System-Prompt des Agenten definiert. Zu jeder Anfrage wird der relevante Patientenkontext übergeben, einschließlich strukturierter FHIR-Medikationsressourcen. Dadurch arbeitet der Agent mit aktuellen, domänenspezifischen Daten während der Verarbeitung.
  2. Bereitstellung mit integrierter Governance
    KI im Gesundheitswesen erfordert klare Kontrollmechanismen. Corti-Agenten laufen unter einem zentralen Orchestrator, der jede Aktion validiert und Ausführungsregeln durchsetzt. Agenten können nicht außerhalb ihres definierten Umfangs agieren. Das Framework protokolliert jede Entscheidung und jeden Tool-Aufruf mit reproduzierbaren Traces und strukturierten Logs. Dadurch entstehen Transparenz und Auditierbarkeit, die für Sicherheit und regulatorische Compliance erforderlich sind. Bei Bedarf kann der Agent den Prozess unterbrechen und eine menschliche Freigabe einholen.
  3. Integration und Iteration
    Die Corti Console ermöglicht die Authentifizierung per OAuth sowie den Aufbau und die Konfiguration von Agenten. Dabei wird festgelegt, welche Experts ein Agent verwendet. Zusätzlich können Nachrichten gesendet werden, um den Workflow zu testen. Das Framework folgt der Agent-to-Agent (A2A)-Spezifikation für Interoperabilität und unterstützt MCP zur Anbindung kompatibler Systeme. Der Medikationsabgleich kann schrittweise umgesetzt und iterativ zu einem stabilen Produktionssystem erweitert werden.

Warum agentenbasierte Systeme für den Medikationsabgleich geeignet sind

Der Medikationsabgleich stellt hohe Anforderungen an klinische Entscheidungsprozesse. Unterschiedliche Datenquellen, wechselnde Kontexte und Zeitdruck treffen hier unmittelbar aufeinander. Agentenbasierte Systeme sind für diese Bedingungen ausgelegt. Sie verbinden strukturierte Schlussfolgerung, Tool-Nutzung und Workflow-Orchestrierung.

Gerade an den kritischen Übergängen der Versorgung zeigt sich der Mehrwert dieses Ansatzes. KI-Agenten schaffen Struktur und Nachvollziehbarkeit. Sie entlasten das Klinikpersonal und unterstützen Leistungserbringer dabei, sicherere Versorgung mit geringerem administrativem Aufwand zu ermöglichen. Gleichzeitig bleiben Kontrolle und Compliance gewahrt, wie sie das Gesundheitswesen verlangt.

Corti

Corti ist ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen für KI-Modelle und Infrastruktur im Gesundheitswesen mit Sitz in Kopenhagen, Dänemark. Das Unternehmen verfolgt die Mission, administrative Hürden zu reduzieren und medizinisches Wissen weltweit verfügbar zu machen. Cortis KI-Modelle lassen sich über APIs und SDKs nahtlos in bestehende Anwendungen integrieren und sollen Kosten senken sowie die Qualität der Versorgung verbessern.

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