Die Avaloq Gruppe, ein international führendes Fintech-Unternehmen, hat in ihrer jährlichen Markterhebung – den Avaloq Wealth Insights – wieder das Verhalten von vermögenden Anlegern in Deutschland, in weiteren Ländern Europas, im Nahen Osten, in Asien sowie in den USA untersucht. Die Antworten der deutschen Privatinvestoren gewähren interessante Einblicke. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass der deutsche Vermögensverwaltungsmarkt wettbewerbsintensiver wird. So erklären 48% der deutschen Anleger, dass hohe Kosten und Gebühren für sie der wichtigste Grund für einen Wechsel des Vermögensverwalters sein könnten. Gefragt ist aber nicht nur eine höhere Effizienz in der Beratung in Deutschland – mit Blick auf eine jüngere Anlegergeneration und den grossen Affluent-Markt wird es ebenso wichtig, Kommunikation stärker zu digitalisieren, zu personalisieren und zu skalieren.
Erst auf Platz zwei der wichtigsten potenziellen Wechselgründe in Deutschland findet sich mit 16% eine zu schlechte Performance des eigenen Portfolios. Für 12% der Anleger wäre ein Mangel an personalisierter Beratung und Betreuung nebst zu langen Reaktionszeiten der wesentliche Grund für einen Wechsel. Zugleich geben 45% der deutschen Privatinvestoren an, sich in der Vergangenheit schon einmal von einem Berater getrennt zu haben. Weitere 13% ziehen einen Wechsel derzeit in Betracht. Mehr Digitalisierung und automatisierte Unterstützung in der Beratungstätigkeit versprechen hier gleich in zwei Richtungen positive Effekte: Zum einen steigert solch eine Entlastung Effizienz, Kommunikationsgeschwindigkeit und Produktivität im Wealth Management, zum anderen wird dadurch die Betreuung neuer und breiterer Kundengruppen wirtschaftlich attraktiv.
Noch beherrschen etablierte, klassische Anbieter den Markt
Befragt, welche Institute den größten Teil ihres Vermögens verwalten, nennen 26% der deutschen Anleger Retailbanken, 22% Privatbanken und 17% digitale Banken. Für weitere 13% spielen die Wealth-Management-Services einer Universalbank die wichtigste Rolle. Jeweils 9% der Anleger nennen digitale Investment-Plattformen mit Robo Advisory beziehungsweise Online-Broker als wichtigste Anbieter. Für 5% sind unabhängige Asset-Manager von zentraler Bedeutung, und 1% nutzt die Dienste von Family Offices. Noch sind die rein digitalen Angebote im Wealth Management also in der Minderheit.
Fonds und Aktien sind die beliebtesten Asset-Klassen bei deutschen Anlegern
Gemanagte Fonds wie Investmentfonds oder ETFs sind mit einem durchschnittlichen Anteil von 24,6% die größte Anlageklasse in den Portfolios deutscher Anleger. Mit 22,7% liegen börsennotierte Wertpapiere wie Aktien und Staats- sowie Unternehmensanleihen an zweiter Stelle der Anlegergunst. An dritter Stelle mit einem Anteil von 10,7% an den deutschen Portfolios finden sich Immobilien. Bargeld oder äquivalente Anlagen machen 10,2% der Portfolios aus. Einen Anteil von jeweils 6,9% beanspruchen drei weitere Assetklassen: erstens Kryptowährungen und -werte, zweitens Private Equity und Risikokapital sowie drittens Rohstoffe. Damit spielen klassische Anlageformen wie Aktien nach wie vor eine zentrale Rolle in Investorenportfolios – verbunden mit entsprechenden Beratungs- und Geschäftschancen für etablierte Institute.
Viele kryptoskeptische Anleger warten nur auf Angebote ihres Finanzinstituts
Bereits 51% aller befragten deutschen Anleger haben Kryptowerte in ihrem Portfolio. Schlüsselt man diese Asset-Klasse etwas weiter auf, gibt es in 83% dieser Anlegerportfolios Kryptowährungen, 35% verfügen über Stablecoins, tokenisierte Assets finden sich in 25% dieser Portfolios, und 20% besitzen digitale Kunst bzw. non-fungible Tokens (NFTs). Gut die Hälfte der deutschen Privatanleger, 49%, hat allerdings noch gar keine Krypto-Assets im Portfolio.
Zentrale Gründe sind für 42% aus dieser Gruppe, dass sie den gängigen Kryptowährungsbörsen nicht vertrauen, 36% glauben, nicht über das erforderliche Wissen zu verfügen, und 26% fürchten die hohe Volatilität der Krypto-Werte. 60% dieser Kryptoskeptiker wären allerdings grundsätzlich für Investments in digitale Assets bereit, wenn ihre traditionelle Bank oder ihr Vermögensberatungshaus ihnen diese Möglichkeit bieten würde. Auch im Bereich der Krypto-Assets eröffnen sich also durchaus Beratungs- und Umsatzchancen, die etablierte Finanzinstitute nutzen sollten.
Eine schnelle und klare Kommunikation schafft für Kunden die Vertrauensbasis
Dem eigenen Wealth Manager vertrauen zu können, ist für deutsche Anleger eine zentrale Anforderung in ihrem Beratungsverhältnis. Danach befragt, was für die Beratungsbeziehung besonders vertrauensbildend wirkt, nennen 84% eine klare Kommunikation. 74% erwarten, dass ihr Wealth Manager ihre individuelle Risikoaffinität im Blick behält. 72% möchten mit relevanten Updates und Markteinsichten versorgt werden. Ebenso viele Anleger erwarten schnelle Antworten, während für 70% Kommunikationsmöglichkeiten über mehrere Kanäle unerlässlich sind. Für die große Mehrheit der deutschen Anleger sind damit vor allem jene Aspekte entscheidend, die eine schnelle und zielgerichtete Kommunikation betreffen.
Um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und der Abwanderung von Kunden entgegenzuwirken, finden etablierte Finanzinstitute hier zentrale Ansatzpunkte. Die Anforderungen an die Reaktionsgeschwindigkeit sind entsprechend hoch: In Deutschland erwarten 16% eine Reaktion ihres Beraters oder Instituts innerhalb einer Stunde, 30% innerhalb weniger Stunden und 26% zumindest innerhalb eines Tages.
Die Mehrheit der deutschen Anleger steht einem KI-Einsatz offen gegenüber
Es zeichnet sich ab, dass die Beratungstätigkeit in Zukunft noch schneller, personalisierter und effizienter erfolgen muss. Mehr KI-Unterstützung und mehr Automatisierung von Routinetätigkeiten werden die zentralen technologischen Hebel sein, um dies zu ermöglichen. Dabei zeigt sich, dass viele deutsche Anleger gegenüber einem KI-Einsatz in ihrer Beratungsbeziehung durchaus offen sind. 50% der deutschen Investoren geben an, mit einer KI-Nutzung durch ihre Bank oder ihren Wealth Manager sehr gut oder zumindest gut leben zu können, während 32% den KI-Einsatz neutral beurteilen. Allerdings sagen auch 19% der Befragten, dass sie einem KI-Einsatz skeptisch oder sogar sehr skeptisch gegenüberstehen.
Rund ein Drittel der Investoren lehnt KI in der Beratungsbeziehung ab
Werden deutsche Anleger nach konkreten Einsatzmöglichkeiten von KI im Beratungskontext gefragt, fallen die Vorbehalte etwas stärker aus. Dennoch überwiegt auch hier die Offenheit gegenüber der Technologie. Besonders ausgeprägt ist die Zustimmung zu einer KI-gestützten Beratung, bei der Wealth Manager die Kontrolle behalten und die KI nicht eigenständig entscheidet.
Die Mehrheit der Anleger misst menschlichem Know-how weiterhin einen hohen Stellenwert bei. So können sich beispielsweise bei der Analyse der Portfolio-Performance 22% der befragten deutschen Investoren einen vollständig KI-basierten Ansatz vorstellen, 48% präferieren einen hybriden, unterstützenden Einsatz, und 30% lehnen KI hier völlig ab. Fragen der Anleger zu ihrem Portfolio sähen 18% gern von der KI beantwortet, 48% favorisieren eine KI-Unterstützung für die menschlichen Berater, und 34% wollen gar keinen KI-Einsatz.
Produktvorschläge auf Grundlage ihres Verhaltens oder ihrer veränderten Lebenssituation erhielten 16% auch gerne direkt von der KI, 52% befürworten hier eine hybride KI-Nutzung, und 32% lehnen KI-Technologie dabei komplett ab. Beim Thema der Generierung von Investment-Empfehlungen fällt die KI-Ablehnung durch manche Anleger noch etwas deutlicher aus. Wenngleich sich auch hier 14% eine vollumfängliche KI-Basierung vorstellen können und 51% einen hybriden KI-Einsatz bejahen, wächst bei dieser Aufgabe der Anteil der KI-Gegner nochmals leicht auf 36%. Es wird für Wealth Manager also darauf ankommen, in Zukunft auch ihre weniger technologieaffinen Kunden von der Zweckhaftigkeit und Sicherheit einer KI-unterstützten Beratungsarbeit zu überzeugen.
Innovation, operative Exzellenz und verlässliche Umsetzung verbinden
Jürgen Krieg, Managing Director Region Europa und Geschäftsführer von Avaloq Deutschland, fasst die Erkenntnisse, die sich aus den Wealth Insights 2026 ergeben, so zusammen: «Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Banken wird künftig nicht allein von Technologie abhängen. Erfolgreich werden diejenigen Institute sein, die Innovation, operative Exzellenz und verlässliche Umsetzung intelligent miteinander verbinden. Um das Potenzial von KI und Cloud-Technologien voll auszuschöpfen, brauchen Banken Plattformen, die End-to-End-Banking-Prozesse mit skalierbaren Serviceleistungen verbinden. Genau dabei unterstützt Avaloq seine Kunden: mit einer Kombination aus moderner Software, Banking Operations und tiefem Branchen-Know-how, die Transformation in nachhaltiges Wachstum und messbare Geschäftserfolge übersetzt.»
Daten zum Avaloq Wealth Insights 2026 Report
Avaloq hat für seine diesjährige Umfrage im Februar und März 2026 4.256 Anleger und 480 Vermögensverwaltungsexperten in 21 internationalen Märkten interviewt: in Deutschland, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Italien, Japan, Hongkong, Singapur, Thailand, Vietnam, Malaysia, Australien, Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie den USA. Rund 67% der befragten Investoren gehören dem Affluent-Segment an (USD 250.000 bis USD 1 Mio.), 29% zählen zum High-Net-Worth-Segment (USD 1 Mio. bis USD 30 Mio.), und 4% sind dem Ultra-High-Net-Worth-Segment zuzurechnen (mehr als USD 30 Mio.).