Vertrauen statt Kontrolle: KI soll Prozesse prüfen

KI kann Arbeitsleistung detailliert messen, doch die automatisierte Bewertung einzelner Beschäftigter birgt Risiken. Laut der KI-Beratung Neurawork fehlen Kennzahlen oft wichtige Zusammenhänge: Wer Kollegen unterstützt oder komplexe Fälle löst, erscheint möglicherweise weniger produktiv. Zudem können Kontrolle und Rankings Motivation und Vertrauen schwächen. Neurawork empfiehlt deshalb, KI vor allem zur Analyse von Prozessengpässen einzusetzen und Mitarbeitende gezielt zu entlasten.

KI macht die Kontrolle von Mitarbeitenden so einfach wie nie zuvor. Sie wertet Daten wie Bearbeitungszeiten selbstständig aus, vergleicht Beschäftigte miteinander und leitet daraus Einschätzungen ab. Laut der KI-Beratung Neurawork liegt darin ein Risiko. Wer einzelne Beschäftigte automatisiert bewertet, kann leicht falsche Schlüsse ziehen und Vertrauen verspielen. Weit grösser ist der Nutzen, wenn KI Engpässe in den Abläufen aufdeckt und so die Arbeit für alle erleichtert.

«Gute Führung entsteht nicht durch lückenlose Kontrolle», sagt Christoph Knöll, Geschäftsführer von Neurawork. «Wer schwierige Fälle übernimmt, neue Kollegen einarbeitet oder anderen hilft, wirkt im Dashboard womöglich langsam. KI sollte Führungskräften zeigen, wo ihre Mitarbeitenden ausgebremst werden, um sie gezielt zu unterstützen. Wird sie stattdessen genutzt, um Menschen engmaschig zu überwachen, hat das seinen Preis. Das Unternehmen zahlt am Ende mit einem Klima des Misstrauens, sinkender Motivation und höherer Fluktuation.»

Die Kennzahl wird zum Ziel, und das Ergebnis leidet

Neurawork sieht bei der automatisierten Einzelbewertung drei zentrale Risiken. Erstens kann den Daten der Kontext fehlen. Zweitens könnten Beschäftigte ihr Verhalten ändern, sobald sie wissen, dass sie gemessen werden. Sie arbeiten dann womöglich eher auf die Kennzahl hin als auf das eigentliche Ergebnis. Drittens kann die Zusammenarbeit im Team leiden.

Hinzu kommen rechtliche Hürden

In Deutschland muss der Betriebsrat zustimmen, wenn technische Systeme Leistung oder Verhalten überwachen können. Der EU AI Act sieht in KI zur Überwachung und Bewertung von Beschäftigten zudem eine Hochrisiko-Anwendung, da KI-Ergebnisse Einfluss auf Beförderungen und Kündigungen haben können.

KI auf Prozesse richten statt auf die Person

«Die Frage ist nicht, ob KI Arbeit messen kann, sondern was ein Unternehmen davon hat», so Knöll. «In unseren Projekten liegt der grösste Hebel fast nie beim einzelnen Mitarbeiter. Er liegt bei Wartezeiten zwischen Abteilungen, doppelter Dateneingabe, unklaren Zuständigkeiten und anderen Bremsen. Genau das macht KI sichtbar, wenn man sie auf den Prozess richtet statt auf die Person.»

Fünf Leitlinien für den sinnvollen Einsatz von KI bei der Arbeitsanalyse

Neurawork empfiehlt Unternehmen folgende Grundsätze:

Grundsatz 1: Prozess vor Person

Daten für Abläufe und Teams insgesamt auswerten, statt Ranglisten einzelner Beschäftigter zu erstellen.

Grundsatz 2: Zweck vorher festlegen

Klar definieren und offen kommunizieren, welche Fragen die KI-Analyse beantworten soll und welche Daten dafür nötig sind.

Grundsatz 3: Früh einbinden

Betriebsrat, Datenschutz und Beschäftigte vor der Einführung beteiligen, nicht danach.

Grundsatz 4: Der Mensch entscheidet

Keine Personalentscheidungen auf Basis automatisierter Bewertungen ohne menschliche Prüfung.

Grundsatz 5: Klärung statt Urteil

Auffälligkeiten in den Daten als Startpunkt für Rückfragen nutzen, nicht als Beweis für mangelnden Einsatz.

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