Der Beitrag kritisiert eine weit verbreitete defizitorientierte Sicht auf Wandel und Zukunft, die Innovation lähmt und Fortschritt verhindert. Statt Katastrophendenken braucht es den Mut zur Anastrophe, zur bewussten Kehrtwende ins Positive. Zukunftsfitness basiert auf drei Säulen: Mindset, Skillset und Toolset, wobei die innere Haltung entscheidend ist. Innovation scheitert meist nicht an Ideen, sondern an Angst, Konformismus und kurzfristigen Zielsystemen. Ein klar strukturierter 10-Schritte-Plan zeigt, wie Unternehmen Innovationskraft fördern, Nonkonformisten einbinden und langfristige Zukunftsfähigkeit systematisch aufbauen können.
Ständig will mir jemand erzählen, was hierzulande alles nicht funktioniert, wie schwierig der notwendige Wandel ist und wie düster die Zukunft wird. Halt! Wem eine derart defizitorientierte Sicht zu eigen ist, blockiert sich und andere für Wachstum und Fortschritt. Denn Totalpessimismus bringt nichts und niemanden weiter. Innovationen und Zukunftsfitness brauchen einen 10-Schritte-Erfolgsplan.
Statt überall Unheil zu ahnen und damit Panik im Kopf zu erzeugen, sollten wir besser mit Volldampf nach Lösungen suchen, um für eine erstrebenswerte Zukunft zu sorgen. Neben der Katastrophe gibt es nämlich ein Wort, das kaum jemand kennt: die Anastrophe. Dieser Begriff beschreibt in der Soziologie eine Kehrtwende zum Guten.
Was wir dazu brauchen? Im Wesentlichen geht es um drei Elemente:
- das Mind-Set, wie also die Mitarbeitenden und das Management über den Stellenwert von Innovationen und Zukunftssicherung denken,
- das Skill-Set, also die Frage, wie Innovationen gut in die Welt kommen und welche Kompetenzen die Mitarbeitenden dafür brauchen,
- das Tool-Set, welche Methoden und Werkzeuge sie kennen und beherrschen, um Neues zu entwickeln und erfolgreich in den Markt zu bringen.
Das Mindset ist dabei die Basis. Leider kann es aus vielerlei Gründen einträglich sein, Zweifel und Ängste zu schüren. Negativpalaver und Katastrophenstimmung bedienen unsere geradezu unstillbare Lust, Informationen über Gefahren zu sammeln, um selbst mit dem Leben davonzukommen. Lassen wir uns davon bloß nicht paralysieren!
Vorsprung entsteht durch Andersdenken und -tun
Jede Innovation beginnt mit einer unverbrauchten Idee. Wenn diese gleich zertrampelt wird, gibt es keine Innovationen. Klar kann es Gründe geben, weshalb innovative Ideen es nicht in die Umsetzung schaffen. Manchmal sind sie einfach nicht gut genug. Bisweilen werden sie schlecht präsentiert. Oder der Zeitpunkt ist ungünstig gewählt.
Doch die meisten Ideen scheitern, weil sie gefürchtet werden. Denn Etablierte und gut Situierte sehen darin primär das, was sie verlieren. Damit Wagemut und Innovationskraft im Unternehmen weitläufig Einzug halten, hilft folgende Regel:
- Immer zuerst über die Chancen reden. Erst danach sind die Risiken dran. Sonst verengt sich der Lösungsraum.
Dies klingt nur logisch, doch in der Praxis geht es meist andersherum: Die Diskussionen beginnen mit einem «Ja, aber». Anhand einer simplen Strichliste finden Sie das zügig heraus. Diese Regel ist so ungemein wichtig, sie sollte im Meetingraum hängen.
Vielerorts geraten selbst die brillantesten Vorstöße durch Bedenkenträger und Ideenvernichter unter Beschuss. Diese fürchten um ihre bisherigen Privilegien, ihre Wichtigkeit und den sozialen Abstieg. Deshalb versuchen sie krampfhaft, zu schützen, was sie besitzen. Wandel ist für sie keine Chance, sondern eine ernste Gefahr.
Konformist oder Nonkonformist: Wer ist Favorit?
Vorsprung entsteht nicht durch mehr vom Gleichen, sondern durch Andersmachen und nonkonforme Ideen. Denn Konformismus favorisiert die Regel, das Übliche, das, was alle immer schon machen – das, was zunächst Mittelmaß und dann Stillstand bewirkt.
Stellen Sie deshalb folgende Fragen:
- Wie bereit ist unsere Firma wirklich für Vorwärtsdenker, die unkonventionelle Ideen einbringen wollen? Und wie gehen wir mit ihnen und ihren Vorstößen um?
- Welche Rahmenbedingungen müssen wir schaffen oder verändern, damit interne Neudenker zügig ins Wirken kommen, um uns fit für die Zukunft zu machen?
Bevor Sie nach Neudenkern Ausschau halten und sich hinterher lächerlich machen, weil die firmeninterne Realität eine ganz andere ist, hierzu mein Tipp:
- Machen Sie zunächst eine anonyme interne Kurzumfrage, um festzustellen, ob Neudenker bei Ihnen tatsächlich willkommen sind und lassen Sie sich erzählen, welche erlebten Geschichten es dazu gibt. Sie werden sich womöglich wundern, was Sie zu hören bekommen.
Denn, ganz ohne Zweifel: Für das Neudenken nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch offen zu sein, das sind zwei ganz verschiedene Dinge.
So geben Sie Innovationen eine reelle Chance
Eine Idee wird erst dann zu einer Innovation, wenn sie in die Umsetzung geht und sich im Markt als erfolgreich erweist. Dazu brauchen Unternehmen ein Standbein und ein Spielbein, ihr «Core Business» und ihr «Future Business», was bedeutet: Man kapitalisiert die derzeitigen Renditebringer und beginnt gleichzeitig mit etwas Neuem.
Dabei gilt es, die Ertragskraft der Kernaktivitäten zu sichern. Das laufende Geschäft muss die Innovationen mitfinanzieren, solange man noch nicht von ihnen leben kann. Wenn die Kassen noch voll sind, traut man sich viel eher mal was. Wird es hingegen finanziell eng, werden die Menschen vorsichtig und klammern sich an Bewährtes.
Doch darf man bei Ihnen überhaupt kreative Ausbrüche haben? Oder eine Idee spontan präsentieren? Darf man sich in Eigenregie mit zwei, drei Kollegen aus anderen Bereichen mal für ein paar Stunden zusammentun, um über eine fachübergreifende Neuerung nachzudenken – ohne dafür eine offizielle Genehmigung einzuholen?
Erfolg in 10 Schritten: Getan wird, was belohnt wird
In fortschrittlichen Unternehmen wird fortlaufend innoviert – sowie ausreichend Zeit und Geld dafür investiert. Wer erst dann erschreckt losrennt, wenn der Umsatzzenit überschritten ist, ist zu spät dran. Zunächst sinken die Margen, dann die Erträge. Im Abwärtstrend lässt sich der benötigte Vorlauf nicht mehr finanzieren, ausgerechnet für Investitionen fehlt jetzt das nötige Geld. Mit folgenden 10 Schritten gelingt der Erfolg:
- Ermutigen Sie jeden im Unternehmen, Ideen einzubringen.
- Geben Sie allen die offizielle Erlaubnis zum Scheitern.
- Richten Sie eine hausinterne interaktive Ideenbank ein.
- Feiern Sie das Erreichen des Gipfels und die Art des Aufstiegs.
- Ruhen Sie sich danach nicht aus, suchen Sie sich höhere Berge.
- Planen Sie ein, dass es nicht gleich beim ersten Mal klappt.
- Halten Sie Spielgeld bereit, budgetieren Sie Misserfolge.
- Implementieren Sie kluge Kennzahlen für Innovationstätigkeit.
- Incentivieren Sie mit Fokus auf Innovationen, nicht aufs Quartal.
- Tragen Sie nicht realisierte und abgewählte Ideen würdig zu Grabe.
Warum das in vielen Unternehmen nicht klappt? Schuld daran sind Zielkonflikte zwischen Quartalsergebnis und Zukunftsfähigkeit. Denn jede Investition in Innovationen schmälert zunächst den Profit. Wer nur Sofortergebnisse incentiviert, verhindert Innovationen. Die Managementfixierung auf Quartalsergebnisse erzwingt kurzfristiges Handeln und bestraft langfristige Vorgehensweisen.
Dieses Dilemma lässt sich lösen, indem das Streben nach innovativer Erneuerung in jede Zielvereinbarung integriert und über Boni in die Vergütung der Führungskräfte und des Top-Managements eingebaut wird. Denn getan wird, was belohnt wird.
Anne M. Schüller
Anne M. Schüller ist Managementdenkerin, Keynote Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenzentrierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Tagungen, Fachkongressen und Online-Events. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Beim Business-Netzwerk Linkedin wurde sie Top-Voice 2017 und 2018. Von Xing wurde sie zum Spitzenwriter 2018 und zum Top Mind 2020 gekürt. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager und zertifizierte Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de
