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Inside, Digital Economic Forum DEF

Rückblick auf das neue DEF@Home Format

Meike Tarabori - 19. Juni 2020

Aufgrund der aktuellen Situation wurde auch das Digital Economic Forum 2020 abgesagt und stattdessen in einem kleineren Rahmen online durchgeführt. So begrüsste Organisator Thomas Zwahlen rund 1000 Teilnehmende zum DEF@Home am 12. Mai 2020 im virtuellen Raum. Er führte dabei aus, dass die einschneidenden Änderungen, die durch die aktuelle Situation herbeigeführt wurden, zwar ein harter Schlag seien, doch gelte die Devise: Zukunft gestalten und nicht verzweifeln. So wurde mit dem DEF@home eine Alternative für den wichtigen Austausch von Wissen und Erfahrung geschaffen und auf ein Neues Forschung und Entwicklung mit Praxis und Politik verknüpft. Hochkarätige Expertinnen und Experten diskutierten in einer guten Stunde über die aktuelle Krise und die Frage nach der Digitalisierung.

Moderator Stephan Klapproth übernahm schliesslich mit der nötigen Ironie und der bekannten spitzen Zunge und schaltete in einem ersten Speakers-Block den Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx hinzu. Dieser bemerkte, dass es sich aktuell um eine tiefe Krise handeln würde, die vieles zu verändern vermöge. Eine tiefe Krise sei davon geprägt, dass Menschen durch intensive Erfahrungen ihr Wertesystem und ihre Verhaltensweisen anpassen würden. Seiner Meinung nach habe die aktuelle Krise einen starken Einfluss auf unsere Alltagskultur, also darauf, wie wir über die Welt denken. Bis vor der Krise lag die Priorität - so Horx - mehrheitlich auf Attributen wie: «Immer weiter, immer schneller». Auf die Frage Klapproths, ob die Krise demnach als positive Disruption verstanden werden könnte, meinte Horx, dass dies stark davon abhängen würde, was wir Menschen letztlich aus der jetzigen Situation machen. Eines jedoch habe die Krise endgültig beendet, und zwar die «digitalistische Illusion». Denn wir Menschen haben uns diese Technologien nun angeeignet. Gleichzeitig sei aber auch einen Schub hin zu «älteren» Medien wie Bücher, Telefon und Filmen ohne Second Screen festzustellen. Daraus verspreche sich Horx eine neue humane oder reale digitale Strömung, in welcher von Menschen angepasste, sinnvolle Technologien Aufschwung erhalten würden und die Synthese zwischen menschlichem und digitalem herbeigeführt werde. Auch im Medienverhalten komme es zu einer Neujustierung, der gesellschaftliche Zusammenhang würde wiederhergestellt und die Expertokratie wieder gestärkt. 

Horx sprach weiter die Abhängigkeit wie auch die Fragilität der global agierenden Unternehmen wie auch der Lieferketten an und sieht die «just-in-Time» Produktion, die ohnehin schon sehr fragil war, infrage gestellt. Klapproth nahm diesen Ball auf und fragte darauf hin, wie sich dies in den Unternehmen manifestieren würde. «Im Moment», so Horx, «sei die Devise der Manager noch, sich von der Krise leiten zu lassen, wobei sich Wertschöpfungsprozesse sicher verändern werden. Denn die Frage nach der Nachhaltigkeit gilt auch für andere globale Krisen wie beispielsweise die Erderwärmung und ist damit mehr als präsent». Ob Horx ein Optimist sei, fragt Klapproth umgehend. «Optimismus ist naiv. Vielmehr muss die Wirtschaft lernen, mit Unsicherheit zu leben. Denn zu grosse Sicherheit hat auch zur jetzigen Krise geführt. Die Möglichkeit von Veränderung und Verbesserung aber ist nicht zu verkennen. Ich würde mich daher eher als «Possibilist» bezeichnen.» Ein Learning aus der Krise sei auch, dass digitale Begegnungen reale nicht ersetzten könnten, weswegen erfolgreiche digitale Strategien versuchen sollten, reale Begegnung zu erweitern, nicht aber zu ersetzen.

Nach dieser eindrücklichen Interpretation der Krise von Matthias Horx, gab es eine kurze Verschnaufpause für die Teilnehmenden. Danach ging es im Programm weiter mit vier ehemaligen DEF-Speakern aus der Praxis, die in wenigen Minuten jeweils ihre Lernschübe aus der Krise mitteilten. Den Start machte Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg. Sie habe gelernt, entschleunigt zu arbeiten und sich auch Zeit für anderes zu nehmen, wie beispielsweise zum Kochen, zum Reflektieren oder zum Briefeschreiben. Bei der Hypothekenbank beobachtet sie den neugewonnenen Freiraum für Mitarbeitende, wobei sie auch unterschiedliche Reaktionen von verschiedenen Personen auf die Krise anerkennen und darauf eingehen müsse. Im Anschluss teilte «Venture Capitalist» und Start-up Förderer Ariel Lüdi, seine Beobachtungen und die Faszination, wie Ungedachtes plötzlich möglich würde. Die Krise sei eine Gelegenheit und förderte eine offensive Herangehensweise, die hoffentlich die Entscheidungsfreudigkeit nachhaltig beeinflusse. Roland Brack, Gründer und Inhaber von www.brack.ch und Krisengewinner, bemerkte, dass Geschwindigkeit vor Perfektion ginge und dass der Beitrag zur Bewältigung der Krise wichtiger als der eigene Profit würde. «Uns wurde vor Augen gehalten, dass es auch anders geht und dass ein internationales Meeting oftmals gerade so gut per Video-Call abgehalten werden kann anstatt, dass alle um die halbe Welt reisen. Im Endeffekt kurble dies die Digitalisierung – entgegen der Aussage von Matthias Horx – an», so Roland Brack. Über die Flexibilität der Welt und die schnelle Reaktion auf Nie-Da-Gewesenes, staunt schliesslich Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm, Direktor KOF ETHZ. Die weitere Reise sei neben dem eigenen Land auch abhängig vom Rest der Welt. So werde die Wirtschaft Zeit benötigen, wieder hochzufahren, und mit etwas Glück könnte man im Herbst in der Schweiz vielleicht wieder bei 95 % der Wirtschaftsleitung sein.

Der nächste und abschliessende Programmpunkt des ersten DEF@Home war eine weitere Runde mit vier Experten aus der Forschung, die Moderator Stephan Klapproth auf die Frage antworteten, ob Digitalisierung die richtige Therapie sei. Prof. Dr med. Hugo Sax, Leiter Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des USZ, vermerkte, dass menschliche Sinne nicht unsichtbare Bakterien erkennen können, digitale Lösungen, von denen wir in Zukunft auch gerne Prognosen haben würden, können jedoch helfen. Solche Lösungen würden allerdings erst entwickelt werden. Wichtig sei dann auch, wie der Computer die Daten schliesslich interpretiere. Eine solche digitale Lösung würde in künftigen Krisen, die es zweifelsohne geben würde, helfen, weil man vorbereitet wäre und schneller reagieren könne. Prof. Dr. Gian-Luca Bona, ordentlicher Prof. an ETHZ und EPFL und Direktor Empa, weist dem Maskentragen, wenn richtig getragen und entsorgt, zusammen mit dem Wahren der Distanz und dem Händewaschen die höchste Bedeutung in der weiteren Prävention zu. Für die Zukunft gebe es allein in der Schweiz 30 Unternehmen, die an spannenden Projekten forschen, um Masken weiterzuentwickeln. Beispielsweise könnten diese dann transparent sein und wiederverwendbar. Dr. Klaus Höffgen, Chief Digital Officer Rheinland Klinikum Neuss, analysierte die Gesamtsituation der Digitalisierung und betonte, dass sie bei der Entwicklung von Medikamenten ebenso wie bei der Prävention eine wichtige Rolle spiele. Zudem haben Videokonferenzen die Telemedizin wie auch die ärztliche Beratung erheblich nach vorne gebracht. Damian Müller, Ständerat des Kantons Luzern, lobte den Bundesrat für sein Krisenmanagement und die Entscheidungen, betonte zugleich, dass in künftigen Krisen das Parlament handlungsfähig bleiben müsse. Er plädierte darauf, dass möglichst zügig alles wieder zugelassen und gelockert werden soll – mit der nötigen Distanz.

Der abschliessende Höhepunkt des Online Programms war die Statement-Runde der vier letzten Speaker, die jeweils in einem Satz auf die Aussage eines anderen Experten eingehen konnten. So kritisierte Prof. Dr. med. Hugo Sax beispielsweise an Damian Müllers These der digitalen Vorsage von Epidemien den Mangel an Privatsphäre, betonte jedoch zugleich, dass der Schritt dennoch wichtig sei und beispielsweise mittels elektronischer Patientendossiers wie bisher in Spitälern bekannt umsetzbar wäre. Damian Müller wiederum beurteilte Prof. Dr. Gian-Luca Bonas Aussagen über Masken als widersprüchlich, denn die Rolle der Empa sei in diesem Zusammenhang unklar ebenso wie die Versorgungssicherheit in der Schweiz. Die Entwicklung der Methoden liege seiner Meinung nach bei der Empa und sollte dann der Industrie zur Verfügung gestellt werden, denn Forschung solle global sein. Prof. Dr. Gian-Luca Bona spricht Dr. Klaus Höffgen darauf an, dass es zwar viele Daten gebe, diese einerseits aber schwer zugänglich seien, weil die Firmen diese als Eigentum ansehen würden, und andererseits, dass es keine einheitlichen Patientendossiers gebe. Auch wenn es bereits einige Standards gebe, so sei der Weg zu wirklich nutzbaren Daten aufgrund von Schnittstellen und Datenschutz lang und erschwert.

Abschliessend zog Thomas Zwahlen eine positive Bilanz und war froh, das Wagnis des digitalen Formates eingegangen zu sein, ein weiterer Schritt im Sinne einer angeeigneten Digitalisierung. Am 15. April 2021 findet dann das Digital Economic Forum wieder in gewohnter Form im Palais X-Tra in Zürich statt.

Alles in allem war dieses neue Format mehr als gelungen und führt die Teilnehmenden in einer guten Stunde sehr kompakt und sehr informativ durch die Themen des Digital Economic Forum. Ein wie immer köstlicher Moderator Stephan Klapproth rundete dieses Online Forum ab und leite Teilnehmende wie auch Experten sehr gekonnt durch das Programm.

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