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Technologie, KI

KI: Phrasen und Realität

Beat Hochuli - 5. August 2019

Autor: Beat Hochuli ist freischaffender ICT-Journalist und lebt in Kota Kinabalu, Malaysia.

«KI meint alles und – darum, dialektisch gedacht – nichts.» Dieses Statement bezieht der Philosoph Peter Thiel auf die gedankenlose weltweite PR- und Marketing-Maschinerie rund um KI. Derweil konnten gleich drei Wissenschaftler den renommierten Turing Award für ihre Forschungen zu neuronalen Netzwerken in Empfang nehmen.

Der Paypal-Gründer und Philosoph Peter Thiel äusserte sich unlängst in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» nicht gerade lobend zum Allerwelts-Hype um die Künstliche Intelligenz (KI). Das sei ihm zu abstrakt, «zu sehr Geschwafel», befand er. Und weiter: «Die PR-Maschinerie des (Silicon) Valley bringt solche Wortkreationen in Umlauf, aber was bedeuten sie am Ende des Tages konkret? Die grössten Vorbehalte hege ich gegenüber dem Ausdruck der Künstlichen Intelligenz. Ist damit die letzte Generation von Computern gemeint oder die nächste, assoziieren wir damit den Kampf Mensch gegen Maschine wie im «Terminator»-Film von 1984, sprechen wir vom Überwachungsstaat Chinas oder von einer Zukunft à la Ray Kurzweil (KI-Verfechter der ersten Stunde), in der Mensch-Maschinen-Cyborgs den nächsten Schritt der kulturellen Evolution darstellen?» Thiels Fazit: «KI meint alles und – darum, dialektisch gedacht – zugleich nichts.»

Gegen diese Einschätzung eines abgebrühten Hype-Szenekenners wie Thiel ist kaum etwas einzuwenden. Denn der gegenwärtige hyperinflationäre Gebrauch des PR-Tokens «KI» für jedes Stück Software, das etwas mehr leistet als seine Vorläufer, zeugt nur von einer grenzenlosen Einfallslosigkeit seitens der weltweiten PR- und Marketing-Gilde. Und dies lässt in der Tat nur einen Schluss zu: Thiels Fazit trifft ins Schwarze.

Selbstverständlich besteht das KI-Universum nicht nur aus diesem PR- und Marketing-Geschwafel, das bloss den «gleichgeschalteten Köpfen im Silicon Valley» (nochmals O-Ton Thiel) nach dem Mund redet. Glücklicherweise gibt es auch seriöse Computerwissenschaftler, die sich seit Jahren darum bemühen, die Leistungsfähigkeit und – in diesem Sinn – die «Intelligenz» von Informatik-Systemen zu verbessern. Drei von ihnen haben kürzlich den prestigeträchtigen Turing Award im Bereich Artificial Intelligence erhalten. Die Auszeichnung gilt als Äquivalent zum Nobelpreis, der ja für Computerwissenschaftler nicht vergeben wird. Ausgerichtet wird die jährliche Ehrung von der Association for Computing Machinery, der weltgrössten Vereinigung von Informatik-Professionals.

Geehrte mit Bedenken

Geoffrey Hinton von der University of Toronto, Yann LeCun von der New York University und Yoshua Bengio von der University of Montreal konnten im März den Turing Award für ihre Forschungen und Entwicklungen zu neuronalen Netzwerken in Empfang nehmen. Das Preisgeld in der Höhe von einer Million US-Dollar teilen sie paritätisch untereinander auf. Die Erkenntnisse und Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit sind während der vergangenen Dekade in zahlreiche Projekte und Produkte rund um Gesichtserkennung, digitale Sprachassistenten, Lagerhaus-Roboter, selbstfahrende Autos und vieles mehr eingeflossen. Dies alles wird heute wie selbstverständlich unter dem Schlagwort KI vermarktet – weshalb die Geehrten ihren Turing Award quasi via semantisch-positivem Feedback auch unter diesem Label zugesprochen erhielten.

Bezeichnend ist ausserdem, dass die drei Preisträger mittlerweile für US-amerikanische IT-Giganten tätig sind. Hinton arbeitet bei Google, LeCun für Facebook und Bengio hat Mitarbeitsverträge mit IBM und Microsoft abgeschlossen. Interessanterweise äusserte letzterer – Yoshua Bengio – kürzlich gegenüber «The New York Times» einige Bedenken gegenüber möglichen künftigen KI-Entwicklungen. Der nach eigenem Bekunden «introvertierte» 55-jährige kanadische Spezialist in Machine Learning zieht es vor, die Welt durch die «idealistische» Brille von «Star Trek» (Raumschiff Enterprise) zu betrachten und fürchtet sich vor einer apokalyptischen Vision à la «Terminator». Allerdings ist er durchaus realistisch, was die Entwicklung von «Killer-Robotern» angeht. Sein Dilemma kommt einem bekannt vor: Er weiss, dass seines Geistes Kind grosse Gefahren birgt und unterstützt deshalb aktiv die Regulierung von KI und vor allem ein internationales Abkommen für ein Verbot von «intelligenten» Waffen. Vermutlich weiss er auch, dass solche Abkommen oft nicht eingehalten werden.

 

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